Sonntag, 31. Juli 2016

Commerzbank Allein gegen alle

Klaus-Peter Müller hat ein schweres Erbe angetreten. Die Probleme des Geldhauses verlangen radikale Lösungen. Hat der neue Chef den Mut?

  Ein Lächeln zum Antritt:  Commerzbank-Chef Müller
[M]: DPA; mm.de
Ein Lächeln zum Antritt: Commerzbank-Chef Müller

Klaus-Peter Müller sieht rundum zufrieden aus an diesem Montagmorgen. Freundlich und gut gelaunt präsentiert er sich, konzentriert, aber locker - eigentlich so wie immer. Keine Spur von Anspannung lässt der 56-jährige Rheinländer erkennen, obwohl er gerade den Gipfel seiner Karriere erreicht hat.

Es ist Müllers erster Arbeitstag als Vorstandssprecher der Commerzbank. 35 Jahre hat er dem Geldhaus bereits gedient, monatelang musste er als designierter Chef geduldig schweigen. Nun darf der quirlige Manager endlich loslegen.

Während Vorgänger Martin Kohlhaussen (65) gerade seine Abschiedsrunde im Commerzbank-Haus absolviert, erklärt dessen Nachfolger, wie er die Bank in die Zukunft führen will.

Eine bessere Zukunft, versteht sich. Er sei "wild entschlossen", verspricht der neue Chef, die kleinste deutsche Großbank schlanker und ertragsstärker zu machen.

Das hat sie auch bitter nötig. Bei der Hauptversammlung hatte Kohlhaussen wie immer getönt: Er übergebe den Stab in der Gewissheit, "dass die dynamisch gewachsene Commerzbank mit ihrer klaren Unternehmensidentität auf festem Boden steht und dabei gute Perspektiven für ihre ertragreiche Zukunft hat". Doch der Neue weiß es besser: Die Bank steht beileibe nicht so gut da, wie der Alte es gern darstellt.

Die Commerzbank leistet sich zwar das höchste Bürogebäude in der Alten Welt. Doch das war's auch schon. Sie ist ansonsten in jeder Hinsicht schlechter aufgestellt als die Konkurrenz. Im Stil der guten alten Universalbank macht das Geldhaus immer noch alles, aber nichts überragend gut. Der Aktienkurs dümpelt, mit rund 16 Milliarden Euro Börsenwert rangiert das Geldhaus in der Europa-Liga weit abgeschlagen.

Die Commerzbank leidet unter hohen Kosten, mageren Ergebnissen und der düsteren Perspektive, dass sich daran vorerst nichts ändert. Auf vielen Geschäftsfeldern fehlt dem Institut die kritische Größe. Wenn sich an diesem Zustand nichts ändert, droht die Bank in die Bedeutungslosigkeit abzugleiten.

Wie geht Müller mit dem schweren Erbe um? Versucht er sich, wie Kohlhaussen, der Branchenlogik, die Fokussierung und Größe fordert, weiter entgegenzustemmen? Oder macht Müller mobil: Wird er die Bank radikal verändern und sie vielleicht sogar einem Partner zuführen?

Viele Investoren verbinden mit dem Wechsel die Hoffnung auf einen solchen Neuanfang. Das gilt besonders für Cobra, jene renitente Aktionärsgruppe um Clemens Vedder und Klaus-Peter Schneidewind, die nach eigenen Angaben knapp 10 Prozent an der gelben Bank kontrolliert. Sie wollte die Tür zu einer Übernahme der Commerzbank öffnen und mit dem Coup einen schnellen Gewinn erzielen.

Georg Jakobs


Commerzbank
Der neue Chef und sein schweres Erbe

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