Donnerstag, 15. November 2018

Refugium Etappensieg

Das Bonner Landgericht ordnet eine neue Bilanzprüfung an, und Gold-Zack-Chef Dietrich Walther gerät immer mehr in die Kritik.

Ex-Refugium-Chef Paul Kostrewa
DPA
Ex-Refugium-Chef Paul Kostrewa

Düsseldorf - Unabhängige Wirtschaftsprüfer werden die Bilanzen der Refugium Holding AG, Königswinter, von 1997 und 1998 erneut unter die Lupe nehmen. Das Bonner Landgericht ordnete im Prozess des Unternehmens gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Paul Kostrewa und weitere frühere Vorstände am Dienstag ein entsprechendes schriftliches Gutachten an.

Refugium hatte die ehemaligen Vorstände auf Schadenersatz von rund 15 Millionen Mark verklagt. Dabei geht es um gut elf Millionen Mark an Dividenden für 1997 und 1998, die nach Ansicht des Seniorenheimbetreibers zu Unrecht gezahlt worden waren, sowie um Zinsen.

Die ursprünglichen Bilanzen für diese Zeit sind im vergangenen Jahr bereits für nichtig erklärt worden. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt mittlerweile gegen Kostrewa und die anderen drei Ex-Vorstände wegen Bilanzfälschung und Untreue. Ein Refugium-Sprecher sagte am Dienstag zu vwd, mit der jetzt vom Gericht eingeleiteten neuen Begutachtung der Bilanzen habe sein Unternehmen einen "Etappensieg" erreicht.

Unterdessen gerät Dietrich Walther, bis 30. Juni 1998 Aufsichtsrats-Chef von Refugium, zunehmend in die Kritik. So wirft die Marseille-Kliniken AG der von Walther geführten PAKO AG vor, durchschnittlich 30 Prozent überhöhte Mieten von Refugium gefordert zu haben und immer noch zu fordern.

Die Marseille-Kliniken können sich vorstellen, "mit einer Gesamtlösung" bei Refugium einzusteigen, fordern aber Opfer von Dietrich Walther. "Unser Einstieg bei Refugium ist nur machbar, wenn Gläubiger und Vermieter einen Beitrag leisten", sagte der mit den Verhandlungen befasste Marseille-Vorstand Thomas Dobernigg im Gespräch mit dpa-AFX.

Dobernigg verhandelt noch über eine deutliche Mietminderung, denn die derzeitigen Mieten seien "in Hinblick auf vergleichbare Marktpreise sowie Alter und Zustand der Immobilien überzogen". "Das ist im Moment der Haupthinderungsgrund für eine Gesamtlösung", sagte Dobernigg. Auch müsse über die aufgelaufenen Mietschulden geredet werden.

Mieten können nicht mehr bezahlt werden

Die Mieten kann die an Geldknappheit leidende Refugium schon seit Monaten nicht mehr bezahlen. Mietschulden von neun Monatsmieten sind nach Unternehmensangaben aufgelaufen. Warum Refugium noch unter Geldknappheit leidet, auch wenn diese hohen Kosten nicht gezahlt werden, wollen weder das Unternehmen noch Dobernigg im Detail beantworten. "Marseille hat nachgewiesen, dass wir das Geschäft mit Seniorenheimen profitabel betreiben können", sagte Dobernigg.

PAKO-Chef Walther hat mittlerweile die Mietverträge gekündigt, will Refugium aber nicht in die Insolvenz schicken. Ein Insolvenzverfahren will Refugium-Vorstandschef Klaus Küthe ebenfalls nicht einleiten: "Es gibt keine Garantie, dass das Unternehmen dann auch weitergeführt wird", sagte er der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Er und ein Ausschuss leitender Angestellter verhandelten am Dienstag wieder mit Walther.

Der Vorteil eines Insolvenzverfahrens wäre eine mögliche Entlastung von den Altschulden der Gesellschaft. "Aber es geht vornehmlich um unsere alten Menschen und guten, treuen Mitarbeiter", sagte Küthe. Die warten auf ausstehende Gehälter und sind neben den Pflegeverträgen Küthes bestes Argument, die Refugium Interessen zu wahren.

Klaus Küthe ist sich bewusst, dass er an einer Einigung mit Dietrich Walther, der als Vorstandschef der Gold-Zack AG das Unternehmen an die Börse geführt hat, nicht vorbeikommt. Walther verhandelt Presseberichten zufolge zur Zeit aber lieber mit dem Berliner Unternehmer Peter Dussmann, nachdem sein bisher letzter Anlauf, Refugium zu sanieren, gescheitert ist.

Die Hauptversammlung der Refugium im Januar sollte den großen Wurf bringen: Walther wollte die PAKO AG ein- und Bargeld mitbringen. Zugleich sollte der Seniorenheimbetreiber pro seniore für ein profitables operatives Geschäft sorgen. Diese Lösung scheitert bisher an der Klage zweier Aktionäre, die die Ausführung des mit großer Mehrheit gefassten Beschlusses verhindern. Der Rechtsanwalt Michael T. Bohndorf sieht sich in seinen Rechten verletzt. Die Bewertung der PAKO AG sei zehnfach zu hoch und nur durch Gefälligkeitsgutachten belegt.

Schadenersatzverfahren gegen die Altvorstände

Trotz der Klage hätte der Richter beim Registergericht die Beschlüsse der Hauptversammlung gültig machen können. Dazu hätte Dietrich Walther die Vorschläge aber unterzeichnen müssen. Auch eine von Vorstandschef Klaus Küthe ausgehandelte Vereinbarung mit der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre wäre eine Hilfe gewesen. Da beide nicht von Walther unterschrieben worden seien, habe sich der Registerrichter nicht zur Eintragung ins Handelsregister durchringen können, hieß es aus Kreisen der Refugium.

Mittlerweile hat der Refugium-Aufsichtsrat ein Schadenersatzverfahren gegen die Altvorstände eingeleitet. Die Refugium AG will von Paul Kostrewa, der einst der PAKO den Namen gab, und seinen Kollegen Schadenersatz wegen der Aufstellung falscher Bilanzen erstreiten. Das Landgericht Bonn teilte am Dienstag mit, zunächst einen Wirtschaftsprüfer mit der Prüfung der Bilanzen der Jahre 1997 und 1998 zu beauftragen. Danach wird über das weitere Vorgehen entschieden werden.

40 Millionen Mark gefordert

Insgesamt erwartet Refugium-Chef Klaus Küthe bis zu 40 Millionen Mark von den Verantwortlichen. Ob diese tatsächlich zusammenkommen, erscheint fraglich: Über das Vermögen Kostrewas ist mittlerweile ein Insolvenzverfahren eröffnet worden.

Geld könnte allerdings von Dietrich Walther zu holen sein. Dieser hatte als Aufsichtsratsvorsitzender der Refugium AG die Bilanzen durchgehen lassen. Deren Nichtigkeit ist bereits gerichtlich festgestellt und neue Bilanzen sind für die betreffenden Jahre aufgestellt worden.

Anwalt prüft Ansprüche gegen Walther

Rechtsanwalt Bohndorf prüft Rechtsansprüche gegen Walther. Bei Refugium will man wegen der Verhandlungen mit Walther derzeit davon nichts wissen: "Das ist eine heikle Frage", heißt es aus Unternehmenskreisen.

Mit den Verhandlungen vertraute Personen erwarten bald eine Entscheidung über die Zukunft der Refugium AG. Am 27. Juni muss sich Dietrich Walther auf der Gold-Zack-HV seinen Aktionären stellen. Der ehemalige Gummiband-Hersteller hält dem Vernehmen nach noch 78 Prozent an der PAKO AG.

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