Samstag, 30. Juli 2016

Allianz/Dreba Das Protokoll

Henning Schulte-Noelle und Bernd Fahrholz stellten sich der Presse. Der Chef des Versicherungsriesen und der Bankvorsteher erläuterten den 45-Milliarden-Deal. mm.de-Reporter Arne Stuhr war vor Ort.

10.45 Uhr:

In der Zentrale der Dresdner Bank in Frankfurt haben sich rund 300 Journalisten, 40 Fotografen und 30 Kamerateams eingefunden und warten auf den Einzug der beiden Konzernchefs.

11.10 Uhr: Einzug von Schulte-Noelle und Fahrholz. Die Fotografen ringen um die beste Plätze vor dem Podium. Schulte-Noelle und Fahrholz müssen sich immer wieder die Hände schütteln.

11.13 Uhr: Der Pressesprecher der Dresdner Bank, Torsten Albig, eröffnet die Pressekonferenz.

11.15 Uhr: Hausherr Fahrholz ergreift als erster das Wort. Er spricht von einem "historischen Datum für den Finanzplatz Frankfurt, Deutschland und Europa".

11.25 Uhr: Auf dem Podium wird schnell klar, wer das Sagen hat. Während Allianz-Chef Schulte-Noelle souverän die Marktchancen des künftigen Finanzkonglomerats schildert, verhaspelt sich Fahrholz und wirkt nervös und bieder.

11.35 Uhr: Nach den beiden Konzernherren ergreifen die Architekten des Mega-Mergers das Wort. Zunächst erläutert Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner die Vorteile der Übernahme aus Sicht der Allianz-Aktionäre. Dann schildert Leonhard Fischer, warum es für die Dresdner Bank-Aktionäre lohnend ist, das vorliegende Angebot anzunehmen.

11.45 Uhr: Allianz-Chef Schulte-Noelle kommt zu den Personalien. Er begrüßt Dresdner-Chef Fahrholz als künftigen zweiten Mann des Allianz-Imperiums. Fahrholz lächelt milde. Auch Leonhard Fischer wird künftig im Holding-Vorstand des Münchener Versicherungskonzerns Platz nehmen und die Sparte Investmentbanking verantworten.

11.50 Uhr: Die Journalisten bekommen die Gelegenheit, ihre Fragen zu stellen.

11.55 Uhr: Auf die Frage nach dem Stellenabbau reagiert Fahrholz nervös. Im Vorfeld der Pressekonferenz hieß es immer wieder, dass der Zusammenschluss nicht zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen solle. Er weist darauf hin, dass an dem ursprünglichen Plan der Dresdner Bank festgehalten werde. Danach wird das Filialnetz von 1150 Geschäftsstellen auf 800 zurückgeschraubt.

12.05 Uhr: Achleitner macht deutlich, nach welcher Kennziffer der gemeinsame Konzern künftig geführt werden soll: EVA - Economic Value Added. Das bedeutet, dass alle Geschäftsbereiche künftig mindestens ihre Kapitalkosten verdienen müssen. Fahrholz wirkt angeschlagen - in seinem Haus gibt es noch etliche Geschäftsfelder, die rote Zahlen schreiben.

12.22 Uhr: Noch einmal werden die Machtverhältnisse beim Konzerngiganten deutlich. Auf die Frage eines Journalisten nach dem Retail-Geschäft der Dresdner Bank antwortet zunächst Allianz-Finanzvorstand Achleitner, ehe Bankchef Fahrholz zu Wort kommen darf.

12.26 Uhr: Die Journalistenreihen lichten sich. Die Märkte mögen den schönen Worten nicht glauben. An der Börse sinken die Aktienkurse der Allianz und der Dresdner Bank. Ein Großteil der Presse-Hundertschaft zieht zum Buffet. Fahrholz hatte schon zu Beginn der Pressekonferenz versprochen, dass nicht nur Weißwürste und Brezeln angeboten werden.

12.51 Uhr: Ein Journalist will wissen, warum die Allianz als Großaktionär nicht schon früher die Dresdner Bank als Vertriebsnetz genutzt habe. Schulte-Noelle gesteht ein, dass es Koordinationsprobleme auf höchster Ebene gegeben habe. "Jetzt fokussieren wir uns nur noch auf eine Bank als Vertriebsweg in Deutschland, und das ist die Dresdner Bank", sagt der Allianz-Chef.

13.01 Uhr: Gespräch unter Journalisten. Allianz-Chef Schulte-Noelle bekommt sehr gute Noten. Er wirke souverän und sei eindeutig der Herr im Hause. Fahrholz steht ganz im Schatten des Mannes aus München.

13.14 Uhr: Dresdner-Bank-Pressechef Albig schließt die Pressekonferenz. Die noch gebliebenen Fotografen drängen zum Podium, um noch letzte Bilder zu machen. Der Saal leert sich allmählich.

mm.de
mm.de-Reporter Arne Stuhr

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