Sonntag, 25. September 2016

Allianz "Merger Monday" am 2. April?

Das Übernahme-Angebot für die Dresdner Bank soll bis Ende der Woche vorliegen.

mm.de

Frankfurt - Trotz aller Dementis: Der Versicherungskonzern Allianz steht offenbar unmittelbar vor einer Übernahme der Dresdner Bank. Nach Informationen verschiedener Insider sind die entsprechenden Verhandlungen bereits weit fortgeschritten. Das Transaktionsvolumen der Fusion läge nach Schätzung von Experten bei rund 44 Milliarden Mark. Die Börse reagierte auf die Nachricht mit starken Kursgewinnen bei der Dresdner Bank. Der Kurs der Allianz gab dagegen deutlich nach.

Am Mittwochabend gab es zwar noch keine Bestätigung beider Häuser - aber auch nicht die üblichen Dementis. "Das können wir nicht kommentieren", hieß es lediglich bei der Dresdner Bank in Frankfurt. Bei der Allianz, die bereits 20 Prozent an der Dresdner hält, reagierte ähnlich: "Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht."

Analyst sieht die Übernahme skeptisch

Bankenanalyst Metehan Sen vom Bankhaus Sal. Oppenheim sah eine mögliche Übernahme skeptisch: "Die Allianz wollte schon früher ihren Anteil an der Dresdner Bank auf mehr als 25 Prozent erhöhen, war aber an den Kartellbehörden gescheitert." Die Allianz habe ein Interesse an den Geschäftsfeldern Asset Management und Retail Banking.

Branchenkreise weisen darauf hin, dass der Versicherungsriese für seine Produkte ein breites Vertriebssystem benötige. Dazu könne die Dresdner mit ihrem flächendeckenden Filialnetz einen wichtigen Beitrag liefern. Die Frankfurter Großbank verfüge zudem mit DIT über eine Investmentfonds-Gruppe und eine qualifizierte Vermögensverwaltung.

Münchener Rück soll sich von Dresdner-Aktien trennen

Das Problem bei einer Übernahme der Dresdner Bank ist für Sen die Frage, was die Allianz mit den Geschäftsbereichen wolle, die nicht in ihr Konzept passen würden. "Die Bereiche Investmentbanking, das Firmenkundengeschäft und das Hypothekengeschäft müssen dann entweder verkauft oder geschlossen werden." Dafür sei aber die Zustimmung der Hauptversammlung nötig - "die zu bekommen, könnte schwer werden".

Die "FAZ" und die "Börsen-Zeitung" berichteten in ihren Donnerstag-Ausgaben außerdem, die Allianz plane, ihre Anteile an der HypoVereinsbank an die Münchener Rück abzugeben. Dadurch erhöhe sich der Anteil der Rückversicherung an der HypoVereinsbank auf einen Wert nahe 20 Prozent. Im Gegenzug plane die Münchener Rück, ihre Dresdner-Bank-Anteile an die Allianz zu übergeben.

Riesters Pläne machen Fusion noch interessanter

"Danach würden zwei Allfinanzschienen mit Bankdienstleistungen, Investmentfonds und Versicherungen entstehen: Die erste bestünde aus der Allianz, die bereits mehr als 20 Prozent an der Dresdner hält, und der Dresdner Bank, die zweite aus der Münchener Rück mit ihrem Erstversicherer Ergo und der Hypo-Vereinsbank. Der Zusammenschluss der Allianz und der Dresdner Bank würde einen der größten Vermögensverwalter der Welt schaffen", schreibt die FAZ.

Das Zusammengehen eines Versicherungskonzerns mit einer Großbank zu einem Allfinanzgiganten muss vor dem Hintergrund der Rentenreform von Arbeitsminister Walter Riester (SPD) gesehen werden. Wenn es zur zweiten Säule der kapitalgedeckten Altersvorsorge kommt, werden bei den Arbeitnehmer in Deutschland Milliarden in Bewegung gesetzt.

In diesem Fall müssten für die verschiedenen Anlegerinteressen maßgeschneiderte Finanzprodukte zur Alterssicherung angeboten werden. Ein Verbund Allianz/Dresdner hätte dabei einen erheblichen Vorteil, weil sie die gesamte Palette von Versicherungsprodukten bis zu Investmentanlagen aus einer Hand anbieten kann.

Fahrholz soll in den Allianz-Vorstand aufsteigen

Das "Handelsblatt" meldet unterdessen erste Personalien. Unter Berufung auf Finanzkreise schreibt die Zeitung, Bernd Fahrholz, Sprecher der Dresdner Bank, werde in den Vorstand der Allianz aufrücken. Seinen alten Posten soll er dennoch beibehalten. Wie es heißt, hat Fahrholz in den Verhandlungen der vergangenen sechs bis acht Wochen Bedingungen für die Übernahme ausgehandelt.

Eine seiner Forderungen: Die Dresdner Bank soll nicht zerschlagen werden. Die Gefahr hat nach Ansicht von Marktbeobachtern durchaus bestanden. Nun soll Dresdner Kleinwort Wasserstein rechtlich verselbstständigt, aber vorerst nicht verkauft werden. Als Vorstand dieser Investment-Bank sei Leonhard Fischer im Gespräch. Darüberhinaus sei ein Börsengang der Sparte angedacht.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH