Donnerstag, 20. September 2018

Politiker-Investment Jens Spahn steckte Geld in Steuer-Start-up - jetzt ist es pleite

Jens Spahn

Mit 15.000 Euro stieg Jens Spahn einst bei einem Start-up für Steuererklärungssoftware ein - und erntete viel Kritik. Nun ist die Firma nach SPIEGEL-Informationen insolvent.

2017 machte das schwäbische Start-up Pareton zuletzt Schlagzeilen: Damals war bekannt geworden, dass die Firma finanzielle Anschubhilfe durch den CDU-Politiker Jens Spahn erhalten hatte. Jetzt ist der Anbieter der Steuersoftware "Taxbutler" pleite. Ende Juni beantragte das Unternehmen beim Amtsgericht Ludwigsburg nach SPIEGEL-Informationen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

"Für die Skalierung des Geschäftsmodells und die Weiterentwicklung der Software hätten wir mehr Geld gebraucht. Eine neue Finanzierungsrunde ist aber leider nicht zustande gekommen", sagte Gründer Matthias Raisch. Noch im vergangenen Jahr hatte Pareton per Crowdfunding 300.000 Euro bei Anlegern eingesammelt; die Bewertung des Unternehmens belief sich auf 1,2 Millionen Euro.

Mit der Software sollten Kunden ihre fotografierten Belege hochladen und dann ihre Steuererklärung erstellen können. Spahn, der die Geschäftsidee "pfiffig" nannte, steuerte 15.000 Euro aus eigener Tasche bei und hielt damit 1,25 Prozent an Pareton.

Das Investment brachte ihn mitten im Bundestagswahlkampf allerdings in Bedrängnis; als Finanzstaatssekretär war er seinerzeit auch Beauftragter für Fintech-Unternehmen wie Pareton. Die Opposition witterte einen Interessenkonflikt - zumal Spahn zunächst von staatlichen Zuschüssen für private Start-up-Investoren profitierte: Sogenannten Business Angels werden 20 Prozent ihrer Investments erstattet, in Spahns Fall waren es demnach 3000 Euro.

Wegen des öffentlichen Drucks trat Spahn, heute Gesundheitsminister, seinen Pareton-Anteil später ab. Für den Crowdinvestment-Experten Stefan Loipfinger bleibt ein Nachgeschmack: "Schwarmfinanzierer wurden mit dem Namen Jens Spahn geködert, der anders als normale Kleinanleger als Gesellschafter Kontroll- und Mitspracherechte erhielt und sein Geld rechtzeitig in Sicherheit brachte."

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