Mittwoch, 19. Dezember 2018

Der Oppenheimer-Clan Die überraschende Rückkehr der Diamanten-Dynastie

Die geplante Übernahme des südafrikanischen Diamantriesen De Beers durch den Rohstoffkonzern Anglo American für rund 33 Milliarden Mark stärkt den legendären Oppenheimer-Clan als mächtigste Diamanten-Dynastie der Welt.

Von Roman Goergen, Johannesburg

Harry Oppenheimer, Sohn des legendären Firmengründers Ernest, trat dem Apartheid-Regieme mutig entgegen.

Das Brenthurst Estate in Johannesburg hat eine ruhmreiche Vergangenheit. Das pompöse Anwesen der Familie Oppenheimer wurde früher von den Südafrikanern schlichtweg "unser Buckingham Palace" genannt. Die Besitzer wurden verehrt wie die englische Königsfamilie. Die Gartenpartys, bei denen Gurken-Sandwiches und Gin-Tonics von weiß behandschuhten Dienern gereicht wurden, waren der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres.

Doch die glorreichen Zeichen schienen passé. Auf den Ruf des Oppenheimer-Clans hatte sich der Staub der Vergangenheit gelegt so wie auf das Gemälde von Firmenvater Ernest im Büro von Brenthurst. Die mächtigen Rohstoff-Familiendynastien, in denen die Ur-Großväter mit Schaufel und Mut Imperien aus dem Nichts stampften, sind in Zeiten des Shareholder Value zu Relikten aus einer anderen Epoche geworden.

Das galt auch für die Oppenheimers. Speziell das Jahr 2000 war kein gutes für die mächtige Familie. Private und geschäftliche Rückschläge folgten in kurzen Abständen. Ununterbrochen musste Nicky Oppenheimer, 55-jähriger Enkelsohn von Ernest, als Vorstandvorsitzender von De Beers den Diamantkonzern an verschiedensten Fronten vor Angriffen schützen.

In den USA behindert immer noch eine Klage des Justizministeriums wegen unzulässiger Kartellpolitik das Unternehmen. Außerdem verfolgten im vergangenen Jahr gleich mehrere Menschenrechtsgruppen massiv Kampagnen gegen "Blutdiamanten", deren Erlöse in Afrika Bürgerkriege finanzieren sollen - auch durch Mithilfe von De Beers.

Beim Schwesterkonzern Anglo American, den Ernest Oppenheimer zu Beginn des 20. Jahrhunderts buchstäblich mit seinen eigenen Händen erschaffen hatte, übernahm Bobby Godsell den Vorsitz der Tochter AngloGold von Nicky Oppenheimer. Ein schwerer Imageverlust für die Familie, hatte doch damit zum ersten Mal ein Manager bei einer Firma des Familienimperiums das Sagen, der nicht verwandtschaftlich mit den Oppenheimers verbunden ist. Zum Jahresende hielt der Clan gerade einmal noch 8,5 Prozent der Anteile von Anglo American.

Diamanten von De Beers -nicht nur kostbarer Schmuck, sondern auch Währung zur Finanzierung von Kriegen
[M]:DPA;mm.de
Diamanten von De Beers -nicht nur kostbarer Schmuck, sondern auch Währung zur Finanzierung von Kriegen
Der Tiefpunkt war jedoch Ende August erreicht. Im Alter von 91 Jahren starb Harry Oppenheimer, Sohn von Ernest, Vater von Nicky und südafrikanische Legende. Harry galt als der Gütige, der nicht nur weise und geschickt die Rolle von Anglo American zum Global Player ausgebaut hatte, sondern auch mutig dem Apartheid-Regime für die Rechte der schwarzen Minenarbeiter entgegentrat. Sein Tod wurde allgemein als Anlass genommen, die Ära der Familiendynastien im weltweiten Rohstoffgewerbe für endgültig beendet zu erklären. So dachte man.

Teil 2: Oppenheimer-Clan greift nach De Beers

Teil 3: Neue alte Vormacht im Diamantenmarkt

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