Samstag, 17. November 2018

Brinkmann Die Geier warten schon

Kaum hat die Hamburger Kaufhauskette Insolvenz beantragt, geht es an die Räumung.

Sind die Schaufenster bald leer?
AP
Sind die Schaufenster bald leer?

Hamburg - Das traditionsreiche technische Kaufhaus hatte am Donnerstag überraschend die Einleitung des Insolvenzverfahrens beantragt. Ein Sanierungskonzept, das die Hausbank Dresdner Bank gemeinsam mit den Kreditversicherern und den Lieferanten erarbeitet hatte, war gescheitert, weil eine geplante Kapitalerhöhung nicht verwirklicht werden konnte.

Als Übernahmeinteressenten werden die KarstadtQuelle AG, Essen, und die US-Warenhauskette Wal-Mart Stores Inc, Bentonville, gehandelt. Allerdings sagte eine Wal-Mart-Sprecherin, ihr Unternehmen äußere sich nicht zu solchen Gerüchten. KarstadtQuelle erklärte, sie habe kein Interesse an einer Übernahme der Kaufhauskette.

Eigner der Brinkmann-Gruppe sind neben Robert Meyer, dem Enkel des Unternehmensgründers, dessen Mutter sowie eine ehemalige Geschäftsführerin des Hamburger Hauses. Die Geschäfte bleiben zunächst geöffnet und die Gehälter der Mitarbeiter seien gesichert, sagte Meyer.

Die Hamburger Kaufhaus-Kette Brinkmann ist nach Einschätzung der Geschäftsführung an ihrem Service-orientierten Konzept gescheitert. "Wir haben qualifizierte Mitarbeiter aufgeboten und Service für die Kunden geleistet, aber die meisten sehen nur auf den Preis", sagte Ellen Meyer, Unternehmenssprecherin und Ehefrau des persönlich haftenden Gesellschafters Robert Meyer. Durch die Konkurrenz von Fachmärkten wie Media-Markt hätten die Innenstadt- Lagen gelitten. An Produkten wie Computern und Handys sei praktisch kein Geld zu verdienen. Zur Zahlungsunfähigkeit geführt hätten letztlich ein Absatzeinbruch im November und das schwache Weihnachtsgeschäft.

Die Firmengruppe Ernst Brinkmann KG beschäftigt bei einem Umsatz von 1,7 Milliarden Mark mehr als 4000 Mitarbeiter, davon 1200 in Hamburg. Sie betreibt bundesweit 41 technische Kaufhäuser und Fachmärkte, deren Angebot von Geschenkartikeln, Besteck und Geschirr bis hin zu Unterhaltungselektronik und Fotoartikeln reicht.

Der vom Amtsgericht bestellte Insolvenzverwalter Burckhardt Reimer werde in den kommenden Tagen das Unternehmen gründlich untersuchen und jedes einzelne Haus prüfen. Es sei damit zu rechnen, dass bis zum nächsten Dienstag ein erster Überblick vorliege, sagte Meyer. Sie habe bei Gesprächen mit Betriebsrat und Gewerkschaften den Eindruck gewonnen, dass die Arbeitnehmer zum Unternehmen stehen und gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter Brinkmann wieder auf gesunden Füße stellen wollten.

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