Samstag, 23. September 2017

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Pläne zur Megafusion begraben Rückzug von Kraft - was wird nun aus Unilever?

Unilever: Langnese und Ben & Jerry´s gehören zum britisch-niederländischen Konsumgüterriesen

Anleger auf dem Rückzug: Das Platzen der Megafusion von Kraft Heinz Börsen-Chart zeigen und Unilever Börsen-Chart zeigen hat viele Anleger kalt erwischt. Die Titel des britisch-niederländischen Konsumgüterriesen brachen am Montag an der Börse in London um bis zu neun Prozent ein. Kraft Heinz wurden nicht gehandelt, da die Wall Street wegen eines Feiertags geschlossen blieb.

Das Platzen des Deals hat Auswirkungen auf die Konsumgüterbranche weltweit. Am deutschen Aktienmarkt gerieten Henkel Börsen-Chart zeigen und Beiersdorf Börsen-Chart zeigen in den Abwärtsstrudel, sie verloren bis zu zwei Prozent. L'Oreal gaben in Paris 2,1 Prozent nach.

Am Freitag, als die 143 Milliarden Dollar schwere Kaufofferte öffentlich gemacht wurde, waren Unilever-Aktien noch um 13 Prozent in die Höhe geschossen, Kraft Heinz gewannen am Freitag knapp 11 Prozent. Unilever hatte das Angebot bereits am Freitag zurückgewiesen.

"Der Ball liegt jetzt bei Unilever"

Kraft begründete den plötzlichen Rückzug nun damit, dass Unilever ein Zusammengehen abgelehnt habe. Eine Fusion beider Firmen mit Marken wie Philadelphia-Frischkäse, Weight Watchers, Knorr, Lipton oder Dove wäre eine der größten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte gewesen.

Analysten fragen sich nun, wie es für Unilever und Kraft Heinz weitergeht. "Der Ball liegt jetzt in Unilevers Feld. Das Management muss beweisen, dass Unilever als eigenständige Firma mehr wert ist", sagte Jauke de Jong vom Brokerhaus AFS Group in Amsterdam. Experten der Bank Societe Generale empfahlen Unilever Börsen-Chart zeigen einen großen Aktienrückkauf oder eine strategische Akquisition. "Der Kauf der US-Marke Colgate würde das Spiel für Unilever drehen und dem Konzern eine eigenständige Zukunft erleichtern."

Colgate-Palmolive und Mondelez rücken nun in den Blick

Nach der geplatzten Megaübernahme von Unilever durch Kraft Heinz herrscht in der Lebensmittel- und Konsumgüterbranche gespannte Erwartung. Experten fragen sich, ob der von den Investoren Warren Buffett und 3G Capital gestützte US-Ketchuphersteller statt des abgeblasenen Deals im Volumen von 143 Milliarden Dollar nun ein neues Ziel ins Auge fasst.

Der Vorstoß von Kraft bei Unilever untermauere das Interesse und die Kapazitäten des Konzerns, große Zukäufe zu stemmen, erklärte Analyst Andrew Lazar von der Barclays-Bank. "Und das womöglich in kurzfristiger Perspektive."

Sein Kollege Ali Dibadj von Geldhaus Sanford Bernstein nannte Colgate-Palmolive Börsen-Chart zeigen als mögliches Übernahmeziel. Die Offerte für Unilever zeige Krafts Bereitschaft zu bedeutenden Transaktionen jenseits des Stammgeschäfts mit Nahrungsmitteln. Die Aktie von Colgate-Palmolive ist wegen der Übernahmegerüchte in der Branche seit Anfang Februar bereits um rund 10 Prozent gestiegen.

Die Analysten von Societe Generale erklärten, auch Unilever könnte nun einen strategischen Zukauf ins Auge fassen, um die eigene Unabhängigkeit zu sichern - etwa ebenfalls mit dem Kauf des US-Konzerns Colgate.

Martin Deboo von der Investmentbank Jefferies warf die Frage auf, ob manche oder alle Lebensmittel-Marken von Unilever bei Kraft nicht doch gut aufgehoben sein könnten. Nach britischem Übernahmerecht darf Kraft aber erst wieder in sechs Monaten mit Unilever Fusionsgespräche führen.

In Bankenkreisen hieß es, auch Spekulationen über einen Kraft-Vorstoß bei Mondelez ("Milka", "Tuc") würden nun neue Nahrung erhalten.

Ein Zusammenschluss von Kraft und Unilever wäre die größte Übernahme eines britischen Unternehmens aller Zeiten gewesen. Er hätte Marken wie Philadelphia-Frischkäse, Weight Watchers, Knorr, Lipton und Dove unter einem Dach vereint. Entstanden wäre ein Konzern mit einem Umsatz von gut 82 Milliarden Dollar, der nahe an den Weltmarktführer Nestle aus der Schweiz mit 89 Milliarden Dollar herangerückt wäre.

la/dpa/reuters

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