Donnerstag, 24. August 2017

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Kapitalgeber zögern, Bewertungen sinken Jetzt platzt die Start-up-Blase

Start-up-Guru Oliver Samwer: "We don´t accept that we can´t win"

Jens-Uwe Meyer
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    Dr. Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Innolytics GmbH. Mit neun Büchern (u.a. "Radikale Innovation", "Digitale Disruption") und mehr als 100 Fachartikeln ist er einer der engagiertesten Innovationsvordenker im deutschsprachigen Raum. Er berät mittelständische Unternehmen und Konzerne.
  • www.jens-uwe-meyer.de

Manchmal sind es kleine Zahlen, die Bände sprechen: Im ersten Halbjahr 2015 investierten Risikokapitalgeber noch fast 1,4 Milliarden Euro in deutsche E-Commerce Unternehmen. Im ersten Halbjahr 2016 sind es nur noch 144 Millionen Euro, nachzulesen im Startup-Barometer 2016. Aua, so sieht Ernüchterung aus.

Weitere Beispiele: Im September wacht das Management von Home 24 auf und schaut routinemäßig auf den Wert des eigenen Unternehmens. Und hoppla: Es war plötzlich weniger als die Hälfte wert. Einfach so. Beim Einschlafen noch 1,1 Milliarden, beim Aufwachen 470 Millionen.

Unternehmertum als Show

Mit Returbo ist erstmals ein Start-up, das über Crowdinvesting mehr als 1 Million Euro eingesammelt hat, insolvent. Insolvenz. Dieses böse Wort assoziierte man bislang mit mittelständischen Betrieben, die in den Achtzigerjahren stehen geblieben sind. Mit alternden Chefs, die Facebook "FÄISBUCK" buchstabieren. Nicht mit Start-ups. Doch das ist vorbei.

Erinnern wir einmal an zwei Zitate von Oliver Samwer, dem Chef von Rocket Internet:

"We don't accept that we can't win."

"I want to own eyerything on the internet."

Gut, auch das hat sich inzwischen relativiert, wie im aktuellen manager magazin nachzulesen ist.

Der Start-up-Hype der vergangenen Monate war ein Heilsversprechen - ähnlich seriös wie die Wahlversprechen von Donald Trump. Pilgerscharen von Topmanagern suchten den Erfolg in Start-up-Beteiligungen, Gründer wurden gefeiert wie Boygroups in den Neunzigern. Unternehmertum als Show.

In der Höhle der Löwen urteilt Finanzinvestor Carsten Maschmeyer über die Zukunftschancen junger Unternehmen. Nur als Randnotiz: Es ist der gleiche Carsten Maschmeyer, der vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags keine glückliche Figur gemacht hat und sich als "Geschädigter" eines der größten jüngsten Steuerskandale in Deutschland sieht. Richtig, es ist die gleiche Person. Kein Doppelgänger. Daran merkt man, welches Niveau der Start-up-Hype inzwischen erreicht hat.

Endlich bricht der Hype zusammen

Jetzt bricht der Hype zusammen - und das ist gut so. Für alle Beteiligten. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe nichts gegen Start-ups, ich habe etwas gegen Hypes. Hypes sind so etwas wie die Verliebtheitsphase nach dem ersten Kennenlernen der Traumfrau beziehungsweise des Traummanns: Rosarote Brille, ein Zustand völliger Kritiklosigkeit, Hoffnung statt Fakten. Doch irgendwann beginnt der Traumpartner zu schnarchen und hat morgens schlechte Laune. So ist es auch mit Hypes: Hoffnung trifft auf Realität.

Jetzt endlich beginnt die Luft aus der Blase zu entweichen. Noch ganz langsam, aber mit zunehmender Geschwindigkeit. Der Blick für die Realität wird wieder frei.

Denn im Hype um die Start-ups haben traditionelle Unternehmen, Investoren und Start-up-Gründer gleichermaßen, drei wichtige Grundregeln vergessen.

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