Donnerstag, 15. November 2018

Intertainment Kämpft mit Klage und Flops

Wegen eines Rechtsstreits befürchtet die Medienfirma Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn.

Frankfurt, 22. Dezember - Das Unternehmen klagt gegen seinen US-Partner Franchise Pictures und gerät dabei immer tiefer in Schwieigkeiten.

Die Auseinandersetzung mit Franchise wirken sich wahrscheinlich für das laufende und folgende Geschäftsjahre erheblich auf Umsatz und Gewinn aus, befürchtet die Münchener Intertainment AG.

75 Millionen Dollar Schaden durch Betrug?

Wegen überhöhter Budgets bei von Franchise produzierten Filmen sei Intertainment "durch organisierten Betrug" ein Schaden von mindestens 75 Millionen Dollar zugefügt worden. Intertainment reichte Klage ein. Der Intertainment-Aktienkurs brach nach der Talfahrt der letzten Monate am Vormittag noch einmal um zwischenzeitlich 40 Prozent auf 4,80 Euro ein.

Ein großer Teil der bisher geplanten Umsätze für das Jahr 2001 seien Franchise-Produkte, sagte Finanzvorstand Achim Gerlach. "Ob und wieweit wir das gegebenenfalls ersetzen können, müssen wir ermitteln." Franchise wolle seinerseits Klage gegen Intertainment erheben. Zu den Kosten des Rechtsstreits wollte er sich nicht äußern. Intertainment habe jedoch 150 Millionen Mark in der Kasse und keine Liquiditätsprobleme.

Münchener wollten Filmpaket kaufen

Die beiden Unternehmen hatten vergangenes Jahr einen weit reichenden Vertrag abgeschlossen. Demnach soll das Münchner Unternehmen über einen Zeitraum von fünf Jahren die Rechte an mindestens 60 Filmen kaufen. Laut früheren Angaben hatte das Paket ein Gesamtproduktionsbudget von 500 Millionen Dollar. Intertainment wollte in den ersten beiden Jahren 125 Millionen Dollar investieren.

Bisher wurden 15 Filme abgenommen, darunter drei große Kinofilme. Während beispielsweise "Keine halben Sachen" mit Bruce Willis an den Kinokassen erfolgreich war, erwies sich der umstrittene "Battlefield Earth" als Flop.

Qualitative Gründe macht Intertainment bei der Klage aber nicht geltend, vielmehr werden Unregelmäßigkeiten bei den Budgets vermutet.

Schadensersatz gefordert

Vor einem Gericht in Los Angeles habe die Tochter Intertainment Licensing GmbH deshalb nun Klage eingereicht gegen die Franchise Pictures LLC und die Franchise Pictures Inc, deren Präsidenten Andrew Stevens, verschiedene Produktionsfirmen der Franchise-Gruppe und weitere Parteien, hieß es in einer Mitteilung.

Gefordert werde in erster Linie Schadensersatz, man werde aber auch weitere Ansprüche geltend machen. Franchise habe Gegenforderungen erhoben. "Wir verlangen vollständige Aufklärung, was passiert ist", sagte Gerlach. Danach werde man klären, ob eine weitere Zusammenarbeit möglich ist.

Umsatz- und Gewinn-Erwartungen gesenkt

Mitte November hatte Intertainment die Erwartungen für 2000 bereits deutlich gesenkt. Wegen der Verschiebung von Geschäftsabschlüssen rechne man nun nur noch mit 170 Millionen Mark Umsatz und einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) in Höhe von 60 Millionen Mark, hieß es.

Ursprünglich hatte die am Neuen Markt notierte Firma mit 290 Millionen Mark Umsatz und einem Ebit von 84 Millionen Mark kalkuliert. Für 2001 waren bisher 570 Millionen Mark Umsatz eingeplant. Das 52-Wochen-Hoch der Intertainment-Aktie lag bei 130 Euro.

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