Freitag, 16. November 2018

Chefwechsel eingefädelt Finanzchef soll Hugo Boss wieder auf Kurs bringen

Modenshow bei Hugo Boss: Nach dem Abgang von Claus Dietrich Lahrs hat Nachfolger Mark Langer viel Aufräumarbeit zu bewältigen
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Modenshow bei Hugo Boss: Nach dem Abgang von Claus Dietrich Lahrs hat Nachfolger Mark Langer viel Aufräumarbeit zu bewältigen

Die Suche nach einem Nachfolger beim Modekonzern Hugo Boss ist beendet. Ein neues Gesicht wird es in Metzingen allerdings nicht geben. Der bisherige Finanzchef Mark Langer soll das Unternehmen künftig leiten.

Waren es in den vergangenen sechs Jahren vor allem die Zahlen, denen Mark Langer als Finanzvorstand seine Aufmerksamkeit widmete, muss er als Vorstandsvorsitzender von Hugo Boss Börsen-Chart zeigen nun die schweren Geschütze auffahren. Dem Edelschneider fehlen Kunden, es mangelt an Gewinn und auch die Marke hat an Glanz verloren. Kurz: die alte Erfolgsmaschine Hugo Boss braucht neue Konzepte.

Noch vor der Hauptversammlung am Donnerstag dürfte der Aufsichtsrat der Personalie zustimmen. Es ist nicht selten, dass dem Finanzchef die komplette Führung eines Unternehmens übertragen wird.

Auch die Erwartungen an den Neuen bei Boss sind hoch. "Es muss eine Menge getan werden, um den Konzern wieder auf Wachstumskurs zu bringen", sagt Analyst Mark Josefson von der Equinet Bank. Der schwäbische Traditionskonzern war im vergangenen Jahr wie viele andere Modeunternehmen in die Bredouille geraten. Eine übereifrige Expansion mit teuren Läden rund um den Globus wurde dem Unternehmen zum Verhängnis, als die Kunden fernblieben. Für dieses Jahr ist daher mit wesentlich weniger Profit zu rechnen.

Ex-CEO Lahrs warf nach mehreren Gewinnwarnungen das Handtuch

Wirtschaftskrise, Terrorgefahr, leere Innenstädte, der Siegeszug der Onlinehändler - all das bekam am Ende auch Hugo Boss zu spüren. Nach mehreren Gewinnwarnungen wurde es dem Aufsichtsrat Ende Februar zu bunt und Langer-Vorgänger Claus-Dietrich Lahrs musste schließlich nach acht Jahren an der Spitze des Unternehmens seinen Hut nehmen.

Dabei war der Konzern lange Zeit ein Fels in der tosenden Brandung, die so einige Unternehmen der deutschen Modebranche wegzureißen droht und dabei auch die Großen nicht verschont: Gerry Weber will jeden zehnten Mitarbeiter entlassen, Tom Tailor schließt Läden und Esprit steckt seit Jahren in der Neufindung. Die Muttergesellschaft der Adler-Modemärkte, Steilmann, musste unlängst sogar Insolvenz anmelden - und das nur wenige Monate nach ihrem Börsengang.

Zum schwierigen Umfeld gesellen sich hausgemachte Fehler. Sei es, dass man zu spät mit einem eigenen Onlineauftritt am Start war, Trends zu spät erkannt oder die Kundenwünsche vernachlässigt hat. Davor kann auch Hugo Boss ein Lied singen. Die Vernachlässigung der Herrenmode ist aus Sicht von Aktionärsvertreter Filippo Siciliano von der Deutschen Schutzbereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der schwerwiegendste Fehler: "Hugo Boss hat den Bezug zu den Wurzeln verloren." Auch die Hinwendung zu mehr Luxus sei nicht geglückt. Statt "Champions League-Niveau" biete Boss hier noch "zu viel Kreisliga", insbesondere bei der Verarbeitung der Waren.

Sparprogramm in Millionenhöhe

Genau hier sieht Oliver MacConnell von der Berliner Fashion Practice Academy allerdings auch eine Gefahr. Vor Langer liege eine Gratwanderung: "Er muss die Marke für den Kunden von Herrenbekleidung wieder als sexy und stilistisch preislich adäquat positionieren ohne die dringend notwendige unternehmerische Konsolidierung zu vernachlässigen", sagt MacConnell. Es brauche eine schlaue betriebswirtschaftliche Steuerung aller kreativen Prozesse bei Boss.

Einiges hat das Management von Boss bereits in die Wege geleitet. 50 Millionen Euro will der Konzern in diesem Jahr einsparen, indem er teure Mietverträge nachverhandelt oder Marketingausgaben kürzt. Auch die Investitionen werden zusammen gestrichen und Läden geschlossen. Runter sollen zudem die Preise in China, wo Boss-Klamotten noch immer wesentlich teuer sind als hierzulande. Darüber hinaus will Hugo Boss bei der Wahl seiner Handelspartner selektiver vorgehen.

Ausreichend ist das auch Sicht von Experten aber noch nicht. Langer dürfte in Kürze einen Plan vorlegen, wie er die Umsätze wieder antreiben will, erwartet Commerzbank -Analyst Andreas Riemann. Dass der Aufsichtsrat sich gegen eine externe Lösung entschieden habe, zeige aber auch, wie schwer es offenbar sei, jemand geeigneten für den Posten zu finden.

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Von Simone Hett, dpa-AFX und Annika Grah, dpa

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