Mittwoch, 24. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Die Privilegien der Staatsdiener, Teil II Die Luxus-Pensionen der Beamten

Gut versorgt: Was die Rente angeht, sitzen Beamte auf einer sicheren Bank

Wir befinden uns in Mitteleuropa zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Deutschland ist ein entwickelter Rechtsstaat und ein moderner Sozialstaat. Vor dem Gesetz sind alle gleich. Verschiedene Gruppen dürfen nur dann unterschiedlich behandelt werden, wenn es sachlich gerechtfertigt ist. Das ist der Anspruch.

Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Die einflussreiche Gruppe der Staatsdiener hat sich ein Geflecht von Privilegien geschaffen. Vorteile, die von den "normalen" Arbeitnehmern bezahlt werden.

Die größte Ungerechtigkeit liegt sicherlich in der Altersversorgung. Der Standardrentner, der nach 45 Arbeitsjahren genau 45 Rentenpunkte gesammelt hat, bekommt zurzeit eine Rente in Höhe von 1.314 Euro, vor Einkommensteuer und Sozialabgaben. In den letzten 15 Jahren gab es für zahlreiche Einschnitte, insbesondere durch den "Nachhaltigkeitsfaktor" und den "Riesterfaktor". Das Rentenniveau sank dadurch von 52 Prozent auf 47 Prozent. In den nächsten 15 Jahren soll es um weitere vier Prozent-Punkte sinken.

Torsten Ermel
  • Copyright: Tectum Verlag
    Tectum Verlag
    Neugier und Gerechtigkeitssinn haben den Bankkaufmann und BWLer Torsten Ermel (Jahrgang 1966) zur Beschäftigung mit den Einkünften von Beamten gebracht. Er ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Bielefeld und plädiert für mehr Gerechtigkeit sowie für eine politische Reform des Beamtentums.
Demgegenüber beträgt die Durchschnittspension eines Ruhestandsbeamten 3000 Euro, die er bereits nach 35 bis 40 Jahren erhalten kann. Es gibt keinen Nachhaltigkeits- und keinen Riesterfaktor. Das Pensionsniveau ist in den letzten 15 Jahren auch gesunken, allerdings nur vergleichsweise leicht um etwa 4 Prozent. Für die Zukunft sind keine weiteren Absenkungen mehr geplant.

Und trotz sinkender Leistungen steigen die Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung fast stetig. 1970 lagen sie noch bei 14 Prozent des Bruttoeinkommens, heute sind es 18,7 Prozent; bis 2030 sollen es 22,4 Prozent sein. Beamte kann das kalt lassen. Denn sie zahlen keine Beiträge für ihre Altersversorgung - das übernimmt der Steuerzahler.

Drei Gründe vor allem führen zu den großen Unterschieden in der Höhe der Altersbezüge:

  • Zum einen wird die Pension des Beamten auf der Grundlage seines letzten Einkommens bemessen, der Arbeitnehmer hingegen nach dem Durchschnittseinkommen während des Arbeitslebens. Für den Beamten, der mit 2.000 Euro brutto in den Beruf einsteigt, am Ende 4.000 Euro verdient und im Durchschnitt immer 3.000 Euro hatte, werden 4.000 Euro zu Grunde gelegt; für den Arbeitnehmer mit der gleichen Einkommensentwicklung 3.000 Euro.
  • Zum anderen ist die Höhe der Rente nach oben gedeckelt, durch die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze. Für Beamte, sie ahnen es schon, gibt es keine Deckelung. Warum denn auch? Der Steuertopf ist ja groß.
  • Und schließlich beträgt das Rentenniveau zurzeit noch 47 Prozent, es wird bis 2030 weiter absinken auf 43 Prozent (bei steigenden Beiträgen). Das Pensionsniveau beträgt 71,75 Prozent - und dort bleibt es auch.

Daneben gibt es bei der Altersversorgung noch eine ganze Reihe von teilweise absurden Privilegien für die Adelskaste. So sind die Hinzuverdienstregeln bei vorzeitiger Inanspruchnahme für Beamte großzügiger als für Rentner; Hinterbliebenenpensionen werden, wenn eigenes Einkommen vorliegt, weniger stark gekürzt als Hinterbliebenenrenten.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH