Dienstag, 26. Juli 2016

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Index Elektromobilität Stromschwäche - die Modelle der Misere

Audi etron, Byd, Leaf, Tesla: Die wichtigsten Elektro-Automodelle
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Audi

Auf der Automesse IAA wird die Branche kommende Woche auf Öko machen. Insbesondere Audi und Porsche präsentieren Modelle, die selbst Marktführer Tesla einen Schrecken einjagen sollen. Aber das ist die Zukunft. Die Gegenwart ist düster. Das belegt auch der neue Index Elektromobilität.

Der GM Volt verkauft sich nicht mehr recht, dem Nissan Leaf gehen trotz teils deftiger Rabatte die Kunden aus, und auch BMWs i3 findet weniger Käufer als gedacht. Elektroautos bleiben Raritäten, und das nicht nur auf deutschen Straßen. Der rasante Anstieg der Nachfrage, von vielen erwartet oder zumindest erhofft, bleibt aus.

Inzwischen sagt sogar Daimler-Chef Dieter Zetsche offen, was in der Branche längst klar war: die von der Bundesregierung und den Autoherstellern für 2020 angepeilte eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen ist nicht mehr erreichbar. 29.000 rein- und teilelektrisch angetriebene Pkw waren es bis Ende 2014, und auch im ersten Halbjahr 2015 kauften die Deutschen nur gut 9600 Elektroautos.

Der frisch veröffentlichte neue Index Elektromobilität der Strategieberatung Roland Berger und des Aachener Instituts fka belegt den Trend. Selbst im wichtigsten Markt, den USA, ist die Nachfrage demnach aktuell gering.

Gründe für die Flaute? Gibt es viele. Die Autos sind zu teuer, die Batterien sind noch zu schnell leer, es gibt zu wenig Ladestationen, die Händler verkaufen häufig lieber andere Modelle. "Die Autohersteller unternehmen immer noch zu wenig, um ihre Elektroautos zu vermarkten", warnt Berger-Experte Wolfgang Bernhart. "Aufgrund der geringen Marge hat der Vertrieb natürlich auch keine Motivation, diese Modelle zu verkaufen."

Welche Autos sich überhaupt verkaufen

Welche Autos verkaufen sich überhaupt? Und welche sind bei den Kunden durchgefallen? manager magazin gibt eine Übersicht.

Die Branche steckt in einem Dilemma. "Einerseits können die Autohersteller ihre Elektromobile aktuell nur mit teils hohen Verlusten verkaufen", erläutert Bernhart. Die Hersteller verlieren bei den meisten Modellen mit jedem verkauften Elektroauto vier- bis fünfstellige Beträge. "Andererseits", sagt Bernhart, "müssen insbesondere die Premiummarken spätestens 2021/22 deutlich mehr als 100 000 Elektrofahrzeuge im Jahr verkaufen. Ansonsten werden sie die strengen CO2-Vorgaben in wichtigen Märkten nicht mehr erfüllen können."

Für 2025 erwartet zum Beispiel BMW-Aufsichtsratschef Norbert Reithofer, dass 20 bis 30 Prozent aller Autos elektrisch oder teilelektrisch angetrieben werden. Technisch dürften die Hersteller dann längst so weit sein. Was möglich ist, wollen insbesondere Audi und Porsche in der kommenden Woche auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt zeigen. Sie zeigen ein SUV und einen Sportwagen mit jeweils gut 500 Kilometer Reichweite pro Batterieladung. Geplanter Verkaufsstart: 2017 oder 2018. Die Kosten werden dann noch zu hoch für auskömmliche Margen sein. Fünf Jahre später indes sollte sich das geändert haben. Die große Unbekannte bleibt: der Kunde.

Übersicht: Die wichtigsten Elektroauto-Modelle

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