Montag, 16. Juli 2018

Die IWF-Chefin und Griechenland Eine Staatspleite als Wahlkampfhit für Lagarde

IWF-Chefin Lagarde mit Griechenlands Finanzminister Giannis Varoufakis (Bild von Mitte Juni): Lagarde kann die EZB bereits heute über den Zahlungsausfall informieren - und den Notenbankern damit eine Vorlage geben, ihre Liquiditätshilfen an die griechischen Banken einzustellen

Wie eine gute Referenz für weltwirtschaftliches Management sieht der Fall Griechenland nicht gerade aus. Dennoch nutzte IWF-Chefin Christine Lagarde die Aufmerksamkeit vor den am Wochenende gescheiterten Verhandlungen, um sich selbst zur Wiederwahl zu empfehlen.

An diesem Dienstag fällt ihr der große griechische Fehler des Währungsfonds erst einmal auf die Füße. Schon zuvor hatte die griechische Regierung klar gemacht, dass sie die nun fällige Kreditrate von gut 1,5 Milliarden Euro schuldig bleiben werde.

Damit verdoppeln sich auf einen Schlag die faulen Kredite des IWF, die bisher auf das Konto von Sudan, Somalia und Zimbabwe gehen. Und Athen leistet damit den Offenbarungseid - Staatsbankrott!

Das klingt dramatischer, als es ist. Schließlich hat Griechenland schon vor drei Jahren einen Schuldenschnitt gegenüber den privaten Gläubigern hinter sich gebracht. Um das rein Finanzielle geht es längst nicht mehr.

Zwischen Solvenz und Pleite stehen rein politische Entscheidungen - sowohl die der griechischen Regierung (die knappen Mittel vorrangig für Gehälter und Renten zu reservieren) als auch der Gläubiger (bereitstehende Milliarden zurückzuhalten, um weitere Kürzungen von Renten und dergleichen durchzusetzen). Deshalb haben auch die Ratingagenturen signalisiert, dass ein Zahlungsausfall gegenüber dem IWF für sie keinen Unterschied mache.

EZB entscheidet am Mittwoch über weitere Liquiditätshilfen für Hellas

Dennoch könnte er dramatische Folgen haben: Wenn sich am Mittwoch im Rat der Europäischen Zentralbank keine Mehrheit mehr für die Verlängerung der Liquiditätshilfe an griechische Banken findet. Die hatte das Gremium um EZB-Präsident Mario Draghi bisher stets gewährt, unter der Maßgabe, dass die Banken mitsamt ihrer Staatsanleihen grundsätzlich solide seien.

Stimmen dagegen gab es immer wieder, und die bekommen mit dem Zahlungsausfall nun ein starkes Argument. Draghis Außenminister Benoît Cœuré schlug gegenüber der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos" am Montag schon einen neuen Ton an: "Ein Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone kann leider nicht mehr ausgeschlossen werden."

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