Mittwoch, 29. Juni 2016

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Diversity-Tag Frauenquote allein reicht nicht - was uns Ginger Rogers lehrt

Ginger Rogers konnte genauso gut tanzen wie Fred Astaire - aber rückwärts und auf Stöckelschuhen

Seit dem 1. Mai haben wir in Deutschland das Gesetz zur Frauenquote. In ganz Deutschland? Nein, die ab 2016 gesetzlich zwingend vorgegebene Quote für Aufsichtsräte erfasst nur eine sehr überschaubare Zahl von Unternehmen, nämlich nur börsennotierte und zugleich paritätisch mitbestimmte Firmen. Ansonsten gilt für Aufsichtsräte, Vorstände und die oberen zwei Managementebenen nur die Verpflichtung zur Festlegung von Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils auf mindestens 30 Prozent.

Aber diese Zielgrößen haben es nach Meinung des Gesetzgebers in sich: Zielgrößen und deren Erreichung müssen laut Gesetz im Lagebericht des Unternehmens und dieser im Bundesanzeiger veröffentlicht werden. Nun, die Stammleserschaft des Bundesanzeigers dürfte sich damit sicher dramatisch erhöhen. Um es in den Worten des Gesetzgebers zu sagen: "Damit wird die Wahrnehmung der Entwicklungen durch eine breite Öffentlichkeit gewährleistet."

Ulrich Goldschmidt
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    Gerhard Blank
    Ulrich Goldschmidt ist Vorstands-vorsitzender des Berufsverbandes "Die Führungskräfte" (DFK) in Essen. Der Jurist ist Spezialist für Führungsfragen, Vergütung und Corporate Governance. Außerdem ist er Ansprechpartner für die Sprecherausschüsse der Leitenden Angestellten sowie Berater und Coach für Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder.
Während nun also die breite Öffentlichkeit regelmäßig den Bundesanzeiger studiert, werfen wir lieber einen Blick darauf, was in den Unternehmen passiert oder vielmehr nicht passiert.

Zweifellos ist die gesetzliche Frauenquote ein Signal - mehr aber auch leider nicht. Wer wirklich etwas für Frauen in Führungspositionen tun will, darf sich nicht auf die Frauenquote in den Aufsichtsräten beschränken, sondern muss sich um einen höheren Frauenanteil im mittleren Management kümmern.

Nach meiner groben Berechnung sind nur rund 100 Mandate auf der Anteilseignerseite in den Aufsichtsräten neu mit Frauen zu besetzen. Das wird den Unternehmen nicht schwer fallen, zumal heute schon solche Mandate häufig an Top-Managerinnen aus dem Ausland gehen.

Für die zahlreichen qualifizierten Frauen in Deutschland ist damit noch wenig gewonnen. Für diese bleibt dringender Handlungsbedarf bestehen. Erhöht werden muss der Frauenanteil im mittleren Management, zum Beispiel unter den Leitenden Angestellten. Wir brauchen ein möglichst großes Reservoir an hochqualifizierten Frauen und Männern, aus welchem Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder rekrutiert werden können.

Niemand ist per se für ein solches Mandat geeignet. Weder männliche noch weibliche Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder fallen vom Himmel, nur weil es jetzt eine gesetzliche Quote gibt oder das Wort "Diversity" in der Unternehmensbroschüre oder im Geschäftsbericht auftaucht. Für Vorstands- und Aufsichtsratsaufgaben muss man zuvor Erfahrung gesammelt und sich in unternehmerischer Verantwortung auf den darunter liegenden Führungsebenen eines Unternehmens qualifiziert und bewährt haben.

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