Montag, 22. Oktober 2018

Diversity-Tag Frauenquote allein reicht nicht - was uns Ginger Rogers lehrt

Ginger Rogers konnte genauso gut tanzen wie Fred Astaire - aber rückwärts und auf Stöckelschuhen

3. Teil: Der Fall Ginger Rogers - mangelndes Selbstmarketing der Frauen

Als Begründung dafür, warum sich über Jahre hinweg so wenig getan hat, wird oft die "gläserne Decke" genannt, an der aufstiegswillige Frauen immer wieder abprallen. Tatsächlich scheint es eher die Mauer in den Köpfen männlicher Entscheidungsträger zu sein. Hinter vorgehaltener Hand wird dann davon gesprochen, dass man Frauen das raue Leben in der Führungsspitze nicht zumuten wolle und könne, dass Frauen nicht "tough" genug seien usw.

Nun gibt es keinen wirklich belastbaren wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Frauen die besseren Führungskräfte wären. Aber ebenso wenig gibt es den Beweis, dass Männer den Frauen überlegen wären. Gut, von Kugelstoßen und Baumstammwerfen in den schottischen Highlands einmal abgesehen. Beides keine Qualifikationen, die in Führungspositionen dringend gefragt wären.

Erinnern wir uns statt dessen daran, was über Ginger Rogers der Tanzpartnerin des legendären Fred Astaire gesagt wurde: Ginger Rogers konnte genauso gut tanzen wie Fred Astaire - aber rückwärts und auf Stöckelschuhen. Auch in unseren Unternehmen haben wir viele Frauen, die zu Höherem berufen sind, aber nicht so wahrgenommen werden. Mitunter mag das auch an einem mangelnden Selbstmarketing der Frauen liegen.

Gläserne Decke oder Mauer in den Köpfen der Männer?

Teilweise herrschen in den Unternehmen aber immer noch recht antiquierte Vorstellungen, die gut in die Zeit von Astaire und Rogers passen. Kürzlich war es wieder soweit. Als ich einem Vorstandsvorsitzenden in einem Gespräch vorschlug, doch mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, konterte dieser mit entlarvender Offenherzigkeit: "Wissen Sie, wir haben immer wieder viel Geld in junge qualifizierte Frauen investiert, um ihnen hier die Karriere zu ermöglichen. Aber dann werden sie schwanger und sind weg."

Nun bin ich von meiner Ausbildung her nur Jurist und kein Biologe. Aber dass sich Frauen, wenn sie schwanger sind, auflösen und "weg" sind, scheint mir doch eine recht gewagte These zu sein.

Wäre es nicht klüger, sich mal ein paar intelligente Gedanken darüber zu machen, wie man Frauen während der Elternzeit weiter an das Unternehmen bindet, mit ihnen Kontakt hält, indem man sie z.B. mit internen Informationen über interessante Projekte versorgt und bei dem einen oder anderen Thema auch ihren Rat und ihre Meinung einholt? Und dann braucht es konkrete Pläne und Vereinbarungen, wie man die Frau nach der Babypause schnell wieder ins Berufsleben eingliedert. Es darf nicht passieren, dass der berufliche Wiedereinstieg mit der Ansage aus der Personalabteilung begleitet wird, man könne jetzt gerade leider keine passende Beschäftigung anbieten aber man habe schon mal den Aufhebungsvertrag vorbereitet.

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