Sonntag, 20. Mai 2018

Germanwings-Absturz in den Alpen Zweite Blackbox gefunden, Kopilot informierte sich über Suizid

Bergungsarbeiten in den Alpen: Nach dem Stimmrekorder wurde nun auch der zweite Flugschreiber gefunden, dessen Daten weiteren Aufschluss über den Absturz der Germanwings-Maschine geben können

Über eine Woche nach dem Germanwings-Absturz in den französischen Alpen ist die zweite Blackbox des Airbus A320 gefunden worden. Das teilte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP mit.

Der Stimmrekorder war bereits kurz nach dem Absturz am Dienstag vergangener Woche gefunden worden, nach dem Flugdatenschreiber mit den technischen Daten war hingegen lange vergeblich an der Absturzstelle gesucht worden.

Aufgrund der Aufzeichnungen des Stimmrekorders hatten die Ermittler den mutmaßlichen Ablauf vor dem Unglück mit 150 Toten nach eigenen Angaben bereits teilweise rekonstruieren können. Demnach hatte der deutsche Copilot Andreas L., der früher wegen schwerer psychischer Probleme mit Suizidgefahr in Behandlung war, die Maschine absichtlich gegen eine Felswand in den Alpen gesteuert. Den Kapitän des Flugzeuges hatte der 27-jährige Copilot, nachdem dieser auf die Toilette gegangen war, aus dem Cockpit ausgesperrt.

Ermittler: Kopilot dachte länger an Suizid, hinterließ Spuren auf dem Tablet

Die Ermittlungen zur Flugzeugkatastrophe mit 150 Toten in Frankreich geben dem Suizidverdacht gegen den Germanwings-Copiloten neue Nahrung. Der 27-Jährige habe sich bis einen Tag vor dem Unglück am Dienstag vergangener Woche im Internet über Arten von Selbstmord und über Sicherheitsmechanismen von Cockpit-Türen informiert, teilte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Donnerstag mit.

Die Ermittler haben nach eigenen Angaben in der Düsseldorfer Wohnung des 27-Jährigen einen Tabletcomputer gefunden und die Daten darauf ausgewertet. Anhand des Browserverlaufs könnten die entsprechenden Suchanfragen nachvollzogen werden.

Staatsanwalt: Andreas L. hat Spuren auf dem Tablet nicht gelöscht

Alles deute darauf hin, dass der 27-jährige Copilot sein Tablet in den Tagen vor dem Absturz nutzte. "Der Browserverlauf war nicht gelöscht, insbesondere konnten die in der Zeit vom 16.3. bis zum 23.3.2015 mit diesem Gerät aufgerufenen Suchbegriffe nachvollzogen werden", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nur einen Tag nach diesem Zeitraum, am 24. März, stürzte die Maschine ab.

Der Nutzer des Tablets habe sich "zum Einen mit medizinischen Behandlungsmethoden befasst, zum Anderen über Arten und Umsetzungsmöglichkeiten einer Selbsttötung informiert", sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde. "An mindestens einem Tag hat sich der Betreffende darüber hinaus über mehrere Minuten mit Suchbegriffen über Cockpittüren und deren Sicherheits-Vorkehrungen auseinandergesetzt."

Welche Begriffe genau der 27-Jährige in Suchmaschinen eingegeben hatte, sagte die Behörde nicht. Zunächst müssten alle Beweismittel ausgewertet werden. "Aufgrund des Umfanges der Dokumente und der Vielzahl der Dateien sind weitere Ermittlungsergebnisse in den nächsten Tagen nicht zu erwarten", betonte der Sprecher.

Der Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einer Felswand in den französischen Alpen zerschellt. Unter den 150 Toten des Unglücks waren nach Angaben des Auswärtigen Amtes 72 Deutsche.

la/afp

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