Samstag, 24. Februar 2018

Lufthansa-Chef an Absturzstelle "Werden so lange helfen, wie es nötig ist"

Schwerer Gang: Lufthansa Chief Carsten Spohr und Germanwings-Chef Thomas Winkelmann legen Blumen in der Nähe des Absturzortes zum Gedenken der Opfer des A320-Absturzes nieder

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat den Angehörigen der Opfer des Absturzes langfristige Hilfe beider Unternehmen zugesagt. "Wir helfen nicht nur diese Woche. Wir möchten solange helfen, wie Hilfe benötigt wird", kündigte er bei einem Besuch mit Germanwings-Chef Thomas Winkelmann am Mittwoch in Le Vernet nahe der Absturzstelle in den französischen Alpen an.

Bislang zahlt der Konzern den Hinterbliebenen bis zu 50.000 Euro je Opferals Soforthilfe. Ein Versicherer-Konsortium um die Allianz kalkuliert den Schaden des Absturzes indes auf bis zu 300 Millionen Dollar.

Spohr bedankte sich bei den Helfern, die seit dem Absturz am Dienstag vor einer Woche in einem unwegsamen Berggebiet nach Leichenteile suchen und die Unfallstelle sichern. "Wir sind tief beeindruckt von der Professionalität und dem Mitgefühl." Aussagen zu den Hintergründen des Unfalls machte er nicht. "Wir erfahren jeden Tag mehr über das Unglück, aber es wird lange dauern, um wirklich zu begreifen, wie dies geschehen konnte." Die Manager wollten im Laufe des Tages noch mit Angehörigen der Opfer zusammentreffen.

Bei dem Absturz eines Jets der Tochter Germanwings kamen 150 Menschen ums Leben. Ermittler gehen davon aus, dass der 27-jährige Copilot Andreas L. den Airbus A320 absichtlich in einen Berg steuerte.

Der Lufthansa-Konzern steht in dem Fall zunehmend unter Druck: Bereits 2009 war das Unternehmen über Lubitz' Depressionen informiert. Von den Ärzten der Lufthansa war er später als "fit to fly" eingestuft worden. Lufthansa-Chef Spohr hatte ihn nach dem Absturz als "100 Prozent flugtauglich" beschrieben, "ohne Einschränkungen und Auflagen".

Laut Staatsanwaltschaft Düsseldorf war der Co-Pilot vor seiner Karriere psychotherapeutisch wegen möglicher Suizidgefährdung behandelt worden. Am Tag des Unglücks war Lubitz eigentlich krankgeschrieben.

Justiz fordert Herausgabe eines angeblichen Videos

Die französische Justiz hat indes die Herausgabe eines Videos gefordert, das die letzten Sekunden im Inneren der abgestürzten Germanwings-Maschine zeigen soll. "Wenn eine Person ein solches Video besitzen sollte, muss sie es umgehend den Ermittlern übergeben", hieß es vom zuständigen Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt liege den Ermittlern kein Video vor, das den Absturz des Airbus A320 zeige. Bereits am Dienstag hatte Robin gesagt, er wisse nichts von einem solchen Fund.

Die "Bild"-Zeitung und das französische Magazin "Paris Match" hatten berichtet, ein solches Video sei auf einem am Absturzort gefundenen Speichermedium entdeckt worden. Den Berichten zufolge sind die Aufnahmen stark verwackelt, sie seien im hinteren Teil des Germanwings-Fliegers aufgezeichnet worden. Gefunden wurde das Speichermedium laut "Bild" von jemandem aus dem "Kreis der Ermittler". Die Echtheit der Aufnahme sei unzweifelhaft.

Jean-Marc Ménichini von der Gendarmerie bestritt die Angaben in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN. Die Ermittler hätten die am Absturzort gefundenen Handys noch nicht ausgewertet. Die Geräte würden für weitere Untersuchungen an ein spezialisiertes Institut in Rosny-sous-Bois bei Paris geschickt. Staatsanwalt Robin hatte gesagt, die Handys seien in sehr schlechtem Zustand: "Ich weiß nicht, ob sie ausgewertet werden können."

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SPON, rei, rtr, dpa

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