Dienstag, 27. September 2016

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Kauf von ABS-Papieren EZB sucht Hilfe bei der Deutschen Bank

Deutsche Bank Türme in Frankfurt: Prestigeträchtiger Auftrag von der EZB

Unruhe im Vorstand, desaströse Quartalszahlen, Aktie unter Druck - wirklich rund läuft es bei der Deutschen Bank derzeit wahrlich nicht. Immerhin aber hat Deutschlands größtes Geldhaus jetzt einen neuen, extrem prominenten Kunden gewonnen: die Europäische Zentralbank.

Frankfurt am Main - Die EZB hat nach Informationen von manager magazin online die Deutsche Bank als einen von vier Vermögensverwaltern ausgewählt, um sich beim geplanten Kauf von kreditgesicherten Wertpapieren (Asset Backet Securities/ABS) beraten zu lassen. Die anderen drei Institute sind der US-Finanzdienstleister State Street, das niederländische Institut ING sowie Amundi. Der Vermögensverwalter aus Frankreich gehört zu 80 Prozent der Crédit Agricole und zu 20 Prozent dem Konkurrenten Société Générale.

Die vier Banken sollen die EZB zunächst für die nächsten zwölf Monate bei ihren geplanten ABS-Käufen unterstützen. Konkret heißt das: Sie treffen die Vorauswahl, welche Papiere zu welchem Preis die Zentralbank erwerben könnte. Die Kaufentscheidung selbst treffen dann verschiedene Ausschüsse, in der Vertreter von EZB und nationalen Notenbanken sitzen, wobei die EZB das letzte Wort hat.

Wie viel an Gebühren für die vier Banken dabei abfällt, ist schwierig zu berechnen. Prestigeträchtig ist das Mandat, für das die EZB etwa ein Dutzend Banken angesprochen hatte, aber allemal. Im September hatte die Notenbank angekündigt, über einen Zeitraum von zwei Jahre für maximal eine Billion Euro gedeckte Anleihen wie Covered Bonds (Pfandbriefe) und ABS kaufen zu wollen.

ABS-Kaufprogramm als Wegbereiter für den Kauf von Staatsanleihen?

Mit dem Erwerb von Covered Bonds hat die Notenbank bereits begonnen. Das ABS-Kaufprogramm startet dagegen erst noch. Die EZB erhofft sich davon, die Bankbilanzen um vermeintlich ausfallgefährdete Papiere zu entlasten, damit die Institute wieder mehr Spielraum haben, um Kredite zu vergeben.

Das ist freilich hoch umstritten: EZB-Kritiker wenden ein, dass nicht die Vergabe von Krediten das Problem sei, sondern die Nachfrage der Unternehmen insbesondere in Südeuropa, die mit Blick auf düstere Konjunkturaussichten Darlehen verschmähten. Überhaupt, so die vielen Kritiker vor allem in Deutschland, sei der ABS-Markt zu klein, um die gewünschten Effekte zu zeitigen. Zudem gebe es bereits genügend Nachfrage nach den Papieren - Hilfe von außen sei gar nicht nötig.

Vielmehr wolle die EZB den umstrittenen Käufen von Staatsanleihen den Boden bereiten, sobald sich herausgestellt habe, dass auch ABS-Käufe die Konjunktur in Euroland nicht beflügeln könnten.

Einen erwünschten Effekt hat die Ankündigung der EZB aber bereits: Die Aussicht auf weitere Geldspritzen der Notenbank schwächt den Euro, der gegenüber dem US-Dollar seit Wochen auf Talfahrt ist. Das erleichtert europäischen Exporteuren die Ausfuhr ihrer Waren in den Dollar-Raum.

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