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21. Januar 2010, 15:41 Uhr

US-Großbanken

Zwei Gewinner, zwei Verlierer

Von Arvid Kaiser

Die Finanzkrise hat die größten Banken Amerikas noch größer gemacht. Doch Marktmacht und Finanzkraft sind auch innerhalb dieser Gruppe ungleich verteilt. Die Jahreszahlen für 2009 liefern ein klares Bild der Rollenverteilung nach der Krise. Allerdings schickt sich die Regierung an, den Markt erneut aufzumischen.

Hamburg - Aus und vorbei? Noch lange nicht. Die Finanzkrise zieht in ihrem Heimatland Amerika weiter ihre Kreise. Weiterhin platzen millionenfach Kredite, die Zahl der Ausfälle steigt. Besonders Hypotheken auf Gewerbeimmobilien bereiten Sorgen, weil der Preisverfall in diesem Markt inzwischen noch stärker ist als zuvor der von Wohnhäusern. Im vergangenen Jahr zählte die Bankenaufsicht 140 Bankpleiten, so viele wie seit 1992 nicht mehr. Und für dieses Jahr werden noch mehr erwartet.

Bank of America: Der höchste Turm, die größte Bilanz - aber auch der größte Verlust
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AP

Bank of America: Der höchste Turm, die größte Bilanz - aber auch der größte Verlust

Doch all diese Probleme treffen überwiegend die zahlreichen kleinen Banken des Landes - nicht systemrelevante Institute, die aus Sicht der Regierung auch fallen gelassen werden können. Für die Großen hingegen war 2009 bereits das Jahr der Rückkehr zur Normalität. Das gilt ohnehin für die verbliebenen unabhängigen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley , die wieder verdienen wie zu Glanzzeiten.

Aber auch die vier Riesen im Publikumsgeschäft können die Krise abhaken: Bank of America , J. P. Morgan Chase , Citigroup und Wells Fargo . Zumindest ihre Existenz scheint nicht gefährdet. Alle vier haben zweistellige Milliardenbeträge an Staatshilfe zurückgezahlt und als Ersatz ähnlich große Kapitalerhöhungen aus privaten Quellen bewältigt. Ihre toxischen Wertpapiere haben sie weitgehend abgestoßen. Mit ihrer Kreditvorsorge sind sie für eine lang anhaltende wirtschaftliche Flaute gerüstet.

Doch die in dieser Woche vorgelegten Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr zeigen ein gespaltenes Bild.

Damit scheint die Rangordnung klar zu sein.

Doch es gibt noch eine Reihe von Fragezeichen. Dazu zählt nicht nur die weitere wirtschaftliche Entwicklung, die auch in den Kreditbüchern der Großbanken Spuren hinterlassen wird.

J.P.-Morgan-Chef Dimon: Ohne Quartalsverlust durch die Krise gesteuert
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REUTERS

J.P.-Morgan-Chef Dimon: Ohne Quartalsverlust durch die Krise gesteuert

Unklar ist auch, wie lange im Investmentbanking so leicht Geld zu verdienen ist. Es ist paradox: Solange es der Wirtschaft schlecht geht und die Zentralbank Fed dagegen mit billigem Geld angeht, geht es den Banken gut, weil sie mit wenig Risiko hohe Margen verdienen können. Falls sich das in diesem Jahr ändert, könnte Wells-Fargo-Chef John Stumpf mit seinem trockenen Pulver sich noch mehr auf der Gewinnerseite profilieren. Die anderen müssten ohne ihre derzeit wichtigste Profitquelle auskommen.

Der größte Unsicherheitsfaktor derzeit jedoch ist die Politik der US-Regierung von Präsident Barack Obama. Bisher von links und rechts für ihre lasche Haltung gegenüber der Wall Street gescholten, lässt sie neuerdings andere Töne anklingen.

Schon am vorigen Donnerstag verkündete Obama eine " Abgabe für die Verursachung der Finanzkrise". Den erwarteten Verlust des 700 Milliarden Dollar schweren Bankenrettungsfonds Tarp - das Finanzministerium erwartet ein Minus von 117 Milliarden - will sich die Regierung von den Großbanken zurückholen. Nach Schätzung des Washingtoner Analysehauses Concept Capital würden Citigroup, J. P. Morgan Chase und Bank of America mit jeweils rund zwei Milliarden Dollar belastet.

Weitaus schwerere Folgen hätte ein weiterer Plan, den Obama dem Vernehmen nach am heutigen Donnerstag verkünden will. Die Regierung will den Geist des 1933 erlassenen Glass-Steagall-Gesetzes zurückholen. Das Gesetz, das die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken vorschrieb, damit Kundengelder nicht verspekuliert werden, wurde 1999 aufgehoben, was erst den Aufstieg von Citigroup und Co. ermöglichte. Zurück zum langweiligen Bankgeschäft, in dem Kredite mit Einlagen finanziert werden, aber keine hohen Renditen möglich sind, heißt die Devise.

Vor allem Paul Volcker, ehemaliger Fed-Chef und Chefberater für die Aufschwungstrategie der Regierung, macht sich seit Monaten dafür stark. "Die Banken sollen sich weitgehend aus den Kapitalmärkten raushalten, dadurch werden sie automatisch kleiner und sind besser zu steuern, wenn sie in Schwierigkeiten geraten", sagte Volcker im Dezember dem SPIEGEL. Vor Wall-Street-Analysten setzte er noch eins drauf: Außer dem Geldautomat habe die Branche in den vergangenen 25 Jahren keine nützliche Innovation hervorgebracht. Eine bessere Regulierung nütze nichts, wenn Privatkundenbanken, die im Zweifel vom Staat gerettet werden, auf eigene Rechnung spekulieren dürften.

Riese gegen Riesenbanken: Regierungsberater Volcker
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Getty Images

Riese gegen Riesenbanken: Regierungsberater Volcker

Andere Ökonomen unterstützen diesen Kurs. "Der Kontrast von hoher Arbeitslosigkeit und Bankerboni ist nicht nur störend und ungerecht, er ist auch schlecht für die Wirtschaft", urteilt Simon Johnson vom Massachusetts Institute of Technology, ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. "Die Banker werden dafür belohnt, die Risiken einzugehen, die zur globalen Krise führten. Und sie werden ermutigt, dasselbe noch mal zu tun."

Bisher verhallten solche Stimmen wie Rufe in der Wüste. Im Wahljahr 2010 aber macht die Regierung ernst - dagegen wird die Opposition kaum Wahlkampf führen.

Die Bankenlobby ist zerstritten. Auf den Branchenverband hagelte es Kritik, weil er angeblich einen Staranwalt beauftragte, eine Verfassungsbeschwerde zu prüfen. Die kleinen Institute, die sich bisher als Opfer der staatlichen Wettbewerbsverzerrung sahen, frohlocken über die neue Politik.

Doch auch die Großen untereinander sind sich nicht einig. Zu unterschiedlich sind ihre Interessen. Während J.P.-Morgan-Chef Dimon sein breit aufgestelltes Geschäftsmodell als Vorbild preist, verortet Citigroup-Chef Pandit den finanziellen Supermarkt in der Vergangenheit. Dem manager magazin sagte er, die Aufseher sollten "jede einzelne Bank fragen, wie groß sie eigentlich sein muss, um ihren ökonomischen Zweck zu erfüllen".

Banken: Citi-Chef Pandit fordert schärfere Regeln für die Finanzbranche


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