Paris - Die französische Regierung will offenbar die frühere Chefin des Atomkonzerns Areva, Anne Lauvergeon, an die Spitze des Verwaltungsrates des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS entsenden. Lauvergeon verfüge über die notwendigen Qualitäten, sagte eine Person aus dem Büro des französischen Ministerpräsidenten am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters.
Deutschland stimme dieser Wahl zu. Die Bundesregierung wollte dazu zunächst keine Stellung nehmen. Die 53-jährige Industriemanagerin sei die Lieblingskandidatin von Frankreichs Präsident François Hollande, hatte zuvor die französische Zeitung "Journal du Dimanche" berichtet.
Die Neubesetzung des Verwaltungsrats ist nötig, weil die beiden EADS-Gründungsaktionäre Daimler
und Lagardère ihren Ausstieg aus der Airbus-Mutter angekündigt haben. Bislang war Lagardère-Chef Arnaud Lagardère Chef des wichtigen Gremiums. Anders als ein deutscher Aufsichtsrat bestimmt das EADS-Kontrollgremium in Standort- und Produktionsfragen mit und entscheidet über Rüstungsgeschäfte.
Als weitere Kandidaten für den Posten galten bisher unter anderem der frühere EZB-Chef Jean-Claude Trichet, der bereits Mitglied des zwölfköpfigen Gremiums ist, der Verwaltungsratschef des Telekomausrüsters Alcatel-Lucent, Philippe Camus, Saint-Gobain -Chef Jean-Louis Beffa und der frühere Vorstandschef von Air France, Bernard Attali.
Die staatlichen Großaktionäre der Airbus-Mutter hatten sich Ende 2012 nach hartem Ringen auf eine neue Aktionärsstruktur bei EADS verständigt. Danach wird künftig Deutschland ebenso wie Frankreich einen Anteil von 12 Prozent am stimmberechtigten EADS-Kapital halten.
EADS-Chef Tom Enders will den Konzern von politischem Einfluss befreien. Solange Enders den Konzern führt, dürfte wieder ein Franzose an der Spitze des Verwaltungsrates stehen.
rei/rtr/dpa-afx
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