Zürich - Der Schweizer Börsenbetreiber SIX will trotz Avancen des Rivalen Deutsche Börse unabhängig bleiben. Ein Verkauf sei derzeit keine Option, sagte Verwaltungsratspräsident Peter Gomez der "NZZ am Sonntag". In seiner Position habe er zwar die Aufgabe, alle Optionen zu prüfen. Die SIX Group stehe aber sehr gut da und wolle versuchen, unabhängig zu bleiben. "Wir sind als mittelgroßes, spezialisiertes Unternehmen durchaus kompetitiv, auch im Vergleich mit der Deutschen Börse, die mit dem Zusammengehen mit der New York Stock Exchange große Skaleneffekte erzielen will."
Nach den Gründen für das Interesse der Deutschen an SIX gefragt, sagte Gomez, die Deutsche Börse verspreche sich dadurch sicherlich Skaleneffekte und eine Ausweitung ihres europäischen Geschäfts. "Ihr primäres Ziel ist es aber, dass wir, indem wir uns einbringen, zu einem Anker-Aktionär des neuen Gebildes werden und so die Position der Deutschen Börse im Verbund mit der Nyse stärken würden", glaubt der Verwaltungsratspräsident. Dies brächte die Deutschen gegenüber den Amerikanern zweifellos in eine stärkere Position.
Nach Einschätzung von Gomez wäre die SIX Group drei bis vier Milliarden Schweizer Franken wert, wäre sie selbst an der Börse notiert. SIX hatte im Sommer seinen Anteil an der Derivatebörse Eurex an die Deutsche Börse verkauft. Mit den dadurch erzielten Erlösen von 800 Millionen Schweizer Franken (rund 650 Millionen Euro) will der Börsenbetreiber nun Zukäufe und Joint Ventures finanzieren. "Infrage kommt etwa eine internationale Handelsplattform nach dem Muster von Turquoise oder Chi-X", sagte Gomez der Zeitung.
Damit träte SIX in Konkurrenz zu etablierten ausländischen Börsen. "Oder wir könnten eine Clearing und Settlement-Organisation im Ausland kaufen, welche die dem Handel nachgelagerten Wertpapiertransaktionen abwickeln würde." Auch das Kartengeschäft wolle SIX ausbauen. Günstige Gelegenheiten für Zukäufe erhofft sich der Verwaltungsratspräsident vom geplanten Zusammenschluss von Deutscher Börse und Nyse.
"Die EU wird dieses Zusammengehen wohl nur unter der Bedingung genehmigen, dass die Fusionspartner gewisse Aktivitäten abstoßen. Das wäre sehr interessant für uns, vielleicht kommen so attraktive Teilbereiche auf den Markt", sagte Gomez.
Um die Bedenken der EU-Wettbewerbshüter auszuräumen, haben Deutsche Börse und Nyse angeboten, überlappende Derivate-Geschäfte in Europa zu verkaufen und auch das europäische Geschäft mit Derivaten auf Einzelaktien der in London beheimateten Liffe abzugeben. Zudem sollen Konkurrenten ihre Derivate-Geschäfte über die Börsen-Tochter Eurex Clearing abwickeln dürfen.
kst/rtr
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