Frankfurt am Main - Die neue Landebahn Nordwest des Frankfurter Flughafens ist offiziell eröffnet. Als erstes Flugzeug landete dort am Freitag eine Regierungsmaschine mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Bord. Die Maschine setzte trotz Nebels pünktlich auf.
Zur offiziellen Eröffnung kamen unter anderen der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte. Die Landebahn wird erst mit dem Winterflugplan ab 30. Oktober in den Vollbetrieb gehen. Ab dann gilt auch ein vorläufiges Nachtflugverbot auf dem gesamten Flughafen.
Der Bau der Bahn, auf der Flugzeuge lediglich landen dürfen, dauerte zweieinhalb Jahre. Für Fraport ist die Landebahn zusammen mit dem Bau eines neuen Terminals, der in fünf bis sechs Jahren eröffnet werden soll, das wichtigstes Vorhaben in diesem Jahrzehnt. Die Kosten für beide Bauten zusammen liegen bei 4,3 Milliarden Euro.
Der Streit um das Projekt reißt nicht ab. Das vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) verhängte Nachtflugverbot verursacht allein bei der Frachtsparte der Lufthansa
Verluste in zweistelliger Millionenhöhe, weil Flüge ganz abgesagt oder nach Köln/Bonn verlagert werden müssen.
Ministerpräsident Bouffier: Kein Ausbau die nächsten 20, 30 Jahre
Die neue Landebahn mit Flugzeugbrücken über die Autobahn soll die Kapazität des Flughafens um 50 Prozent erhöhen. In jahrelangen Vermittlungsgesprächen hatten sich die Beteiligten auf ein Nachtflugverbot als Gegenleistung für die vierte Bahn des größten deutschen Flughafens geeinigt. In ihrer Planfeststellung 2007 hatte die hessische Landesregierung dennoch durchschnittlich 17 Flüge pro Nacht zugelassen. Gegen diese Regelung sind noch Klagen beim Bundesverwaltungsgericht anhängig, weswegen der VGH die Nachtflüge kurzfristig bis zum letztinstanzlichen Urteil ganz gestoppt hat. Das Urteil wird Anfang nächsten Jahres erwartet.
Bouffier hofft mit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zum Nachtflugverbot auf Rechtsfrieden. "Dann ist das für alle Zeit eine Grundlage, an die sich alle halten können", sagte der Ministerpräsident Radio FFH. "Wenn das Bundesverwaltungsgericht entscheidet und sagt, es gibt gar nichts, dann ist es eben so." Bouffier schloss einen weiteren Ausbau des Flughafens vorerst auf Jahrzehnte aus. "Wir haben jetzt einen Zustand erreicht, von dem ich glaube, dass die nächsten 20, 30 Jahre sich die Frage eines weiteren Ausbaus nicht stellt."
Eine rheinland-pfälzische Klage gegen Fluglärm soll just während der Landung von Merkel auf den Weg gebracht werden. An diesem Freitagnachmittag ist im Mainzer Innenministerium ein letztes Gespräch mit Vertretern betroffener Kommunen über den juristischen Protest gegen die neuen Flugrouten geplant. Bei den vermutlich fünfstelligen Kosten eines Verfahrens wollen unter anderem das Land und der Kreis Mainz-Bingen die fünf klagenden Kommunen Klein-Winternheim, Ober-Olm, Nierstein, Lörzweiler und Nackenheim finanziell unterstützen. An diesem Samstag ist ein Demonstrationszug mit tausenden Teilnehmern von Mainz nach Wiesbaden geplant.
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