Von Kristian Klooß
Hamburg - Ralf Memmel muss es wissen. Denn kaum ein Unternehmen in Deutschland ist auf Ingenieure, Elektrotechniker, Informatiker und Physiker so angewiesen wie die Infineon AG. Und Memmel leitet das Personalmarketing des Dax-Konzerns. Eine jener Zahlen, die der Personalexperte stets im Kopf hat, ist in diesen Wochen die 40. So viele Tage dauert es bei Infineon im Schnitt von der Ausschreibung bis zur Stellenbesetzung. "Damit sind wir ganz zufrieden", sagt Memmel, dessen Arbeitgeber auch in diesen Tagen wieder ein paar Hundert Stellen ausgeschrieben.
Einen Fachkräftemangel auszurufen, davor hütet sich der Personalexperte. "Wir sind über die Rahmenbedingungen, vor allem mit der Hochschulausbildung, in Deutschland sehr zufrieden", sagt er. Einige Unterschiede im Vergleich zum Ausland gebe es allerdings schon. "In Asien, speziell in Singapur und Malaysia, ist die Bereitschaft zur Fluktuation verbreiteter als in Europa." In Bezug auf Deutschland würde sich Memmel wünschen, dass es gelänge, mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern. In Dresden gelinge dies bereits gut, in München weniger.
Im Vergleich zum einstigen Mutterkonzern Siemens
gehört Infineon
mit seinen deutschlandweit rund 7500 Mitarbeitern eher zu den kleineren Arbeitgebern. Schließlich beschäftigt Siemens Jahr für Jahr allein rund 10.000 Auszubildende. "Wir investieren unter anderem massiv in die Ausbildung junger Menschen, um einem Fachkräftemangel vorzubeugen", sagt ein Sprecher des Konzerns. Gut ein Drittel der Ausbildungsanfänger bei Siemens starten in einem dualen Studiengang, in dem gleichzeitig der Bachelor und ein IHK-Abschluss erworben werden. Siemens ist innerhalb der Riege deutscher Großkonzerne allerdings nur ein Beispiel für ein solches Konzept.
Lufthansa: 115.000 Bewerbungen im Jahr 2010
Die Lufthansa
, bei der im vergangenen Jahr rund 115.000 Bewerbungen eingingen, setzt beispielsweise auf die Kooperation mit 18 dualen Studiengängen an verschiedenen Hochschulen. "Dennoch ist etwa im Bereich der technischen Berufe spürbar, dass das Angebot an entsprechenden Spezialisten knapper wird und größere Recruiting-Anstrengungen notwendig werden", sagt ein Sprecher des Unternehmens.
Eine Aussage, die wohl auch Jörg Leuninger, Leiter Rekrutierung Europa bei der BASF
, unterschreiben würde. "Der Markt für einige Fachrichtungen wird enger", sagt er. So dauere es mitunter länger, um passende Kandidaten zu finden. "Dies gilt gerade für ingenieurwissenschaftliche Spezialdisziplinen oder Chemiekanten in der Produktion." Diese Stellen könnten oftmals nicht auf Anhieb besetzt werden.
Für den Chemiekonzern geht das Personalmarketing daher inzwischen über die klassischen Rekrutierungsmöglichkeiten wie Bewerbermessen, Hochschulveranstaltungen hinaus. "Virtual Career Days", Twitter und Facebook gehören längst zum Repertoire der Ludwigshafener.
Mangel an Fachkräften in der Krebsforschung und der IT
Beim Chemie- und Pharmakonzern Merck KGaA
ist es ähnlich. "Wir spüren den Fachkräftemangel bei einigen wenigen Qualifikationen leicht", sagt Markku Klingelhoefer, verantwortlich für das Personalmarketing bei Merck. Merck könne zwar alle Stellen besetzen, es sei aber zeitaufwändiger geworden, die geeigneten Mitarbeiter zu finden.
Zu Verzögerungen sei es im vergangenen Jahr unter anderem beim Rekrutieren von Chemikanten und bei Stellen im Bereich der Onkologie gekommen. "Vor allem in der Krebsforschung gibt es international einen Mangel an Fachkräften", sagt Klingelhoefer. Doch auch in der IT suche Merck stets berufserfahrene Spezialisten, da der Markt in Deutschland sehr eng sei.
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