Von Markus Gärtner, Vancouver
Vancouver - Das neue Jahr ist nur vier Wochen alt, aber schon tut sich neben Währungskapriolen und Schuldendramen ein weiteres Minenfeld auf: Vielen Unternehmen drohen aufgrund der anziehenden Inflation einbrechende Gewinnmargen - und das mitten im Aufschwung. Denn eskalierende Preise für Rohstoffe, Energie und Vorprodukte nehmen die Unternehmen und ihre Gewinnspannen in den Würgegriff. Und das weltweit.
In Großbritannien beispielsweise, so hat jetzt das Office for National Statistics gemeldet, stiegen im Dezember die Inputpreise der Firmen auf Jahresbasis um 8,7 Prozent. Doch die Industrie konnte für ihre Endprodukte nur 4,2 Prozent höhere Preise bei den Kunden durchsetzen. Die Hälfte des Preisanstiegs auf der Kostenseite der Firmen geht somit zu Lasten der Margen.
Der Grund: Erzeuger und Handel können an ausgelaugte oder immer noch zur Vorsicht neigende Kunden die höheren Bezugspreise nur mühsam weitergeben, in vielen Fällen gar nicht. Das ist Gift für die Börsenrally und Kanonenfutter für die Rezessionspropheten.
Die Unternehmen auf der Insel stehen mit diesem Problem längst nicht mehr allein. In den USA sind laut dem Bureau of Labor Statistics die Preise für Vorprodukte, Komponenten und Rohstoffe im Jahr 2010 um 6,5 Prozent gestiegen. Doch für die Endprodukte konnten die Firmen nur 4 Prozent mehr von den Kunden verlangen. Und hierzulande?
Globale Preisexplosion, unterschiedliche Wirkung
In Deutschland, wo 2010 zum ersten Mal seit sechs Jahren die Löhne schneller stiegen als die Inflation, versteckt sich die Margenschwindsucht noch in der Lieferkette zwischen Fließband und Shoppingmall. Laut den Indextabellen des Statistischen Bundesamtes stiegen die Verkaufspreise des Großhandels 2010 zwar um 8,1 Prozent. Die Erzeuger gewerblicher Produkte konnten ihre Preise aber nur um 4,4 Prozent anheben. Und dem Einzelhandel gelang schließlich nur ein Aufschlag von mageren 1,7 Prozent. Je näher das Produkt also hierzulande in Richtung Verkaufsregal wandert, desto geringer werden die Aufschläge - aber eben nur in diesem Bereich, der für uns alle sichtbar ist. Doch dahinter werden die Probleme der Unternehmen um so größer. In atemberaubender Geschwindigkeit.
Allein im Dezember vergangenen Jahres sind die deutschen Importpreise drastisch um 12 Prozent in die Höhe geschnellt. Es ist die rasanteste Zunahme in 29 Jahren. Mit Blick auf die Nahrungsmittelpreise, neben Energie einer der großen Preistreiber, sieht dann auch Unilever-Chef Paul Polman längst "gefährliches Territorium" erreicht. Das bezieht er nicht nur auf die Bilanz der Unternehmen, sondern ebenso so sehr auf die Lage der Verbraucher.
Die Preisexplosion auf der Kostenseite führt bislang allerdings nicht überall auf der Welt gleichermaßen zu dem befürchteten Margenschwund. Siemens
, Intel
, Apple
, IBM
und andere High-Tech-Giganten konnten dank neuer Produkte, boomender Schwellenmärkte und schwacher Währungen am Heimatmarkt im Schlussquartal 2010 Rekordgewinne verbuchen. Viele große Konzerne wie die Lufthansa
und der größte deutsche Stahlhersteller ThyssenKrupp
verhandeln möglichst fixe Preise, oder sichern sich mit Finanzinstrumenten gegen Schwankungen. Doch das lässt sich nicht für beliebig lange Zeiträume realisieren.
Einige Konzerne hat es schon schwer erwischt. Koreas Posco, der drittgrößte Stahlkocher der Welt, registrierte im vierten Quartal 2010 zwar 26 Prozent mehr Umsatz, doch der Gewinn brach um 59 Prozent ein. "Wir waren nicht in der Lage, die höheren Kosten an die Kunden weiterzureichen", gesteht Posco-Chef Chung Joon-yang. Kein Wunder, in einem Markt mit so viel Überkapazität. Mitte Januar musste er auch zugeben, dass es für sein Unternehmen kaum möglich sein wird, die aus der Flut in Australien resultierenden Rohstoffpreise in vollem Umfang durch höhere Verkaufspreise seinen Kunden aufzubürden.
Die Unternehmensgewinne bröckeln, die Preise steigen. Und das Margenproblem frisst sich bereits von Branche zu Branche.
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