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31.01.2011
 

Kultobjekte und Kommerz

"Hübschmachen hat nichts mit Design zu tun"

Von Matthias Kaufmann

Fotostrecke: Schuhe, Autos, Eierbecher - was ist gutes Design?
Fotos
AFP/ Olivetti

Heutzutage muss man Vorständen nicht mehr klarmachen, wie wichtig Design für den Verkauf ihrer Produkte ist, stellt Experte Ansgar Eidens im Gespräch mit manager magazin fest. Aber noch immer denken viele, es sei genug, fertige Produkte am Schluss bloß hübsch zu machen. Das kann nicht gutgehen.

mm: Herr Eidens, wie lautet Ihre Prognose: Werden wir es schaffen, in den kommenden Minuten über Design zu sprechen, ohne Apple weiter zu erwähnen?

Eidens: Das ist mein fester Wille. Es langweilt mich sehr, dass man beim Stichwort Design immer über die üblichen Verdächtigen wie Apple Chart zeigen, Adidas Chart zeigen oder Porsche Chart zeigen spricht.

mm: Warum?

Eidens: Diese Konzentration ist zu einseitig. Design betrifft noch ganz andere Branchen und ganz andere Bereiche der Gestaltung. Die drei Genannten sind sehr bekannte Unternehmen und für gutes Design bekannt. Gutes Design ist aber nicht immer so offensichtlich wahrnehmbar. Der Begriff von Design geht weit darüber hinaus. Das wird leicht vergessen, wenn man sich nur diesen Firmen widmet.

mm: Jetzt müssen wir ja doch kurz dabei bleiben: Ist denn die Design-Begeisterung für Apple nicht verständlich?

Eidens: Klar, die Leute fragen sich, warum Apple so erfolgreich ist und haben das Gefühl, es müsse irgendwas mit Design zu tun haben …

mm: ... weil die Konkurrenz von Apple ähnliche Technik viel preisgünstiger anbietet, die aber nicht so hübsch gestaltet ist?

Eidens: Nein, denn das würde ja heißen, erfolgreiches Design ließe sich schaffen, indem man etwas Bestehendes einfach schöner verpackt. So einfach ist es aber nicht. Hübschmachen hat nun wirklich überhaupt nichts mit Design zu tun. Gelungenes Design erfasst nicht nur die äußere Hülle, sondern alle Funktionen eines Produkts. Um es herzustellen, ist eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten notwendig,

mm: Das klingt jetzt sehr idealisiert.

Eidens: Das ist ideal, aber nicht idealisiert. Dieter Rams zum Beispiel hat epochemachendes Design entwickelt, indem er sich in den 50er, 60er Jahren mit der Unternehmensführung der traditionsreichen Firma Braun an einen Tisch setzte und gemeinsam Produktvisionen entwickelte. Diese enge Zusammenarbeit war äußerst erfolgreich, es entstanden sehr innovative Produkte. Im Mittelpunkt stand dabei immer die Gebrauchstauglichkeit der entwickelten Geräte.

mm: Als hübsch galten die Geräte trotzdem.

Eidens: Das ist ja kein Widerspruch. Aber das Design beschränkte sich eben nicht auf einen Gestaltungsansatz, der einzig der Frage folgt: Wie machen wir ein Produkt hübscher? Sondern hier wurde mit großem Ernst der Versuch unternommen, das Produkt in allen Dimensionen ideal zu gestalten, vom technischen Aufbau, der Benutzerführung bis hin zur Wirkung im Raum. Erzielt wurden dadurch hochwertige, solide und zweckmäßige Gebrauchsgegenstände. Durch diese Strategie wurden keine kurzfristigen modischen Trends verfolgt sondern Designlinien entwickelt, die über einen sehr langen Zeitraum aktuell erscheinen. Man spricht ja nicht ohne Grund in diesem Zusammenhang von einem zeitlosen Design.

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Zur Person

Ansgar Maria Eidens lehrte Design an der Rheinischen Fachhochschule Köln, bevor er einen Ruf von der privaten Brand Academy in Hamburg bekam. Dort baut er zwei interdisziplinäre Studiengänge auf, die Betriebswirtschaft und Gestaltung verbinden sollen.









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