05.11.2010
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Nobelpreisträger Yunus

"Ich bin nicht da, um Konzernen ihre Sünden zu vergeben"

Von Matthias Kaufmann

Social Business: Welche Konzerne mit Yunus kooperieren
Fotos
REUTERS

Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus wirbt für sein Konzept vom Social Business: Selbstlose Geschäfte, für die sich Konzerne wie BASF, Adidas oder Danone engagieren. Dass dies auch der Imagepflege dient, stört ihn nicht, sagt er manager magazin. Denn dank Social Business könnten sich Firmen andere Missstände immer weniger erlauben.

mm: Professor Yunus, Sie werben auf ihrer derzeitigen Deutschlandreise für Ihre Idee vom Social Business. Heißt das, dass andere Unternehmen unsozial sind?

Yunus: Selbstverständlich nicht. Der Begriff ist so gemeint: Im derzeitigen Kapitalismus wirtschaften Unternehmen normalerweise ausschließlich für sich selbst, um den Reichtum ihrer Eigner und Mitarbeiter zu mehren. Sozial ist ein Unternehmen dann, wenn es für andere wirtschaftet, also den Wohlstand außerhalb des eigenen Unternehmens mehrt. Sich um sich selbst zu kümmern ist nicht unsozial, aber ein Social Business geht darüber hinaus. Genauso gut könnte man von einem "Selfless Business", einem selbstlosen Unternehmen, sprechen.

mm: Warum soll es besser sein, ein Social Business zu betreiben, als Geld für Wohltätigkeitsorganisationen zu spenden?

Yunus: Sicher, Wohltätigkeit ist auch selbstlos. Sie geben eine bestimmte Summe, davon kann ein Armer vielleicht eine Woche lang leben. Wenn das Geld aufgebraucht ist, muss sich aber wieder jemand finden, der ihm hilft. Ihr Geld hilft einem Bedürftigen nur einmal, wenn sie es spenden. In einem Social Business findet man ein Geschäftsmodell, das die Situation des Armen so verändert, dass er sich selbst helfen kann. Weil es ein Geschäft ist, bekommen Sie sogar Geld zurück, das ist die Folge von Renditen und Wachstum. Sie können es erneut für soziale Zwecke einsetzen. Ihr Geld hilft vielen Bedürftigen, immer und immer wieder.

mm: Sie kooperieren mit deutschen Unternehmen, die derzeit Social-Business-Projekte auf den Weg bringen: BASF, Adidas, Otto. Wie kommt so eine Zusammenarbeit zustande?

Yunus: Oft sind es persönliche Kontakte. Der Nobelpreis hat das Interesse an meinen Ideen erheblich erhöht. Mein Buch scheint ebenfalls bei vielen etwas zu bewirken. So hat BASF-Chef Jürgen Hambrecht zum Beispiel mein Buch gelesen und war so angetan, dass er es zur Pflichtlektüre für alle Führungskräfte seines Konzerns erklärt hat. Ein Jahr später hat er mich eingeladen, auf einer Leitungskonferenz von BASF zu sprechen.

mm: Und da haben Sie BASF ein Projekt vorgeschlagen?

Yunus: Nein, Hambrecht selbst hatte die Idee, dass BASF sich als Social Business engagieren könnte. Gemeinsam haben wir überlegt, welche Geschäftsidee dafür geeignet wäre. Nun produziert eine BASF-Tochter unter Verzicht auf Profite Moskitonetze, die sich auch die Armen leisten können. Das vermindert die Ansteckungsgefahr für viele gefährliche Krankheiten.

mm: Adidas möchte ebenfalls mit Ihnen arbeiten und einen Schuh entwickeln, der nur einen Dollar kostet. Ist solch eine Kooperation nicht zwiespältig? Wie andere Sportartikler auch, lässt Adidas seine Produkte in den Ländern mit den billigsten Löhnen fertigen. Menschenrechtler kritisieren die Arbeitsbedingungen teils heftig.

Yunus: Unsere Aufgabe ist es nicht, Konzernen einen Persilschein auszustellen. Das können wir gar nicht, denn dazu müsste man das gesamte Unternehmen kennen. Wir konzentrieren uns jeweils auf das eine Social-Business-Projekt mit ihnen und tragen Verantwortung dafür, dass es unseren strengen Maßstäben genügt.

mm: Ist das nicht allzu pragmatisch?

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Zur Person

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Muhammad Yunus wurde 1940 in der Hafenstadt Chittagong in Bangladesch geboren. Er wuchs als drittes von insgesamt 14 Kindern einer wohlhabenden Familie auf, sein Vater war Juwelier und Goldschmied. Yunus studierte Wirtschaftswissenschaften in Bangladesch und in den USA. 2006 wurden er und die von ihm gegründete Grameen-Bank mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Bank vergibt Mikrokredite an Arme ohne Sicherheiten, um ihnen eine selbstbestimmte Existenz zu ermöglichen.









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