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16.09.2010
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Topmanager in Schwellenländern

Deutsch gewinnt

Von Nils-Viktor Sorge

Deutsche und Österreicher: Diese Topmanager sind in Schwellenländern gefragt
Fotos
REUTERS

2. Teil: Wechsel an die Schaltstellen der Macht werden häufiger

Immer häufiger werden Deutsche künftig jedoch auch in zentralen Schaltstellen von Schwellenländerkonzernen zu finden sein, sind Experten überzeugt. So entsteht in der Golfregion gerade eine große petrochemische Industrie, doch das Know-how in vielen arabischen Staaten auf diesem Gebiet tendierte in den vergangenen Jahrzehnten gegen Null. Nun könnten zunehmend auch Deutsche die Fachkräftelücke füllen.

Dass deutsche Manager aus Europa direkt zu einer Firma in ein Schwellenland wechseln, ist bisher noch die Ausnahme und bei Absolventen ohne kulturelle Kenntnis fast unmöglich. Meist interessieren sich beispielsweise indische Konzerne für Deutsche, die bereits für ihr heimisches Unternehmen im Land arbeiten.

Der berufliche Wechsel in ein Großunternehmen eines Schwellenlands ist für Deutsche derzeit noch die Ausnahme, Manager wie Forster betreten Neuland. Er fühle sich zwar gut aufgenommen, sagte in einem Interview dem "Focus". "Andererseits kann man in Indien bei den Geschäftsprozessen oder der Entwicklung von Zulieferern noch sehr viel verbessern. Alles dauert länger, die ganze Logistik ist aufwendiger."

Auch innerhalb der Firmen kann es Überraschungen geben. "Die Unterschiede in Unternehmenskultur und Managementstil sind teilweise sehr groß", sagt Kienbaum-Mann Fischhuber. "Neulinge empfinden die Methoden oft als ruppig. Häufig fällen Patriarchen einsame Entscheidungen, die Hierarchie ist streng."

Noch ist Geld oft das wichtigste Lockmittel

Doch die Managementkultur in den Schwellenländern wandelt sich. Dazu tragen nicht zuletzt die Neueinkäufe aus dem Westen bei. Zudem studieren Teile der Elite aus Staaten wie Indien oft in den USA. Wenn sie dort zudem auch noch gearbeitet haben, sind sie die idealen Brückenbauer zwischen den Unternehmenskulturen und könnten noch mehr Westler für einen Jobwechsel gewinnen.

Bis dahin ist Geld oft das wichtigste Lockmittel für deutsche und andere westlich sozialisierte Führungskräfte. "Viele Topmanager werden gebauchpinselt, damit ihnen der Wechsel zu einem Schwellenland-Unternehmen leichter fällt", sagt Fischhuber. Oft gebe es eine Art Erschwerniszulage. "So kann beispielsweise in Russland ein knapp siebenstelliges Dollar-Jahresgehalt für einen Corporate Strategy Officer gezahlt werden."

Geld allein macht so manchen deutschen Manager in seiner neuen Rolle dennoch nicht glücklich. Mitunter verzweifeln sie letztlich doch an schwellenländerspezifischen Besonderheiten.

So kündigte Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher seinen Abschied vom chinesischen Chiphersteller Grace an. Die große Entfernung zur Familie in Bayern hatte er in Kauf genommen. Doch dass der chinesische Staat seinen Einfluss auf die Branche stark ausdehnt, wollte er nicht mitmachen. Schließlich war er nicht als Leiter eines Volkseigenen Betriebs gen Osten gegangen.

Generell dürfte sich Stehvermögen in den aufstrebenden Unternehmen der Schwellenländer jedoch auszahlen. Die Tata-Gruppe hat bereits angekündigt, auch Ausländer bei der Suche nach einem Nachfolger für Oberboss Ratan Tata einzubeziehen. Die neuen Positionen für Karl-Ulrich Köhler und Carl-Peter Forster müssen also nicht das Ende ihrer Karriere im indischen Megakonzern darstellen.

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