Helsinki - Der finnische Handy-Hersteller, nach Zahlen immer noch die Nummer eins der Branche, hat in den vergangenen Jahren große Marktanteile verloren. Nokia verschlief den Trend zu Multimedia-Telefonen wie dem iPhone von Apple. Im Frühjahr erst kündigte das Unternehmen eine große Umstrukturierung an und gründete eine eigene Abteilung für die sogenannten Smartphones.
Damals musste bereits der bisherige Leiter der Handy-Sparte gehen, und es war klar, dass auch die Tage von Vorstandschef Olli-Pekka Kallasvuo gezählt waren.
Aufsichtsratschef Jorma Ollila, bis 2006 selbst Vorstandsvorsitzender, sagte am Freitag, Nokia habe schon seit Mai nach "der besten Persönlichkeit" gesucht, den Konzern zu führen. Fündig wurde Nokia beim Software-Konzern Microsoft, wo der bislang eher unbekannte Elop seit 2008 den Bereich Geschäftskunden leitete. Der Kanadier ist der erste Nokia-Chef, der nicht aus Finnland kommt. Er tritt seinen neuen Posten schon am 21. September an.
Nokia läuft Entwicklung hinterher
Elop sagte, er nehme die Zügel in einer entscheidenden Zeit in die Hand: Derzeit würde sich die technische Welt "fundamental ändern", sagte er in einer Pressekonferenz zu seiner Ernennung. Es sei sein Ziel, Nokias Stellung als "unbestrittener Branchenführer" auf dem Markt für mobile Kommunikation zu stärken.
Nokia läuft der Entwicklung nach Einschätzung von Experten seit Jahren hinterher. Der weltweite Markt habe sich binnen kurzer Zeit "dramatisch verändert", sagte Analyst Hannu Rauhala von der finnischen Pohjola Bank. Von Bedeutung seien nicht mehr alleine die Geräte an sich, sondern vor allem auch die Software. Hoffnung setze Nokia nun in sein neues Smartphone N8, das Ende des Monats in die Geschäfte kommt. Das Unternehmen entwickelt zusammen mit Intel auch ein neues Betriebssystem, das es mit Android von Google aufnehmen können soll.
Elops Vorgänger Kallasvuo geht nach Angaben von Aufsichtsratschef Ollila ohne Streit. Er habe sich sehr vornehm verhalten, "es gab kein Türenschlagen". Kallasvuo arbeitet seit 30 Jahren bei Nokia. Er gibt mit sofortiger Wirkung auch seinen Sitz im Aufsichtsrat ab und wird künftig nur noch für das Gemeinschaftsunternehmen Nokia-Siemens-Networks arbeiten.
la/reuters
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