Von Konrad Fischer
Hamburg - 30 Milliarden Euro - wenn der größte deutsche Versicherer Allianz sein Kapital verschiebt, dann geht es gleich um Summen, neben denen viele Staatshaushalte der Welt mickrig aussehen. Entsprechend groß der Aufruhr im betroffenen Markt.
Diesmal sind es Immobilien, die durch das Engagement der Versicherung aus ihrem gut drei Jahre dauernden Schlummer geholt werden könnten. Denn die Allianz
hat sich nicht nur entschieden, in den nächsten Jahren ihr Immobilienportfolio von 17 auf rund 30 Milliarden Euro zu erweitern, sie sieht zudem bereits jetzt wieder Potenzial, um bei Verkäufen selbst gute Preise zu erzielen.
"Insbesondere die regionalen institutionellen Anleger zeigen großes Interesse an Zukäufen", sagt Roland Deger, Sprecher der Allianz Real Estate. Deshalb hat die Versicherung beschlossen, bis Ende 2011 kleinere Immobilien in Deutschland im Gesamtwert von einer Milliarde Euro zu Geld zu machen.
Dahinter steckt jedoch keine Verkaufsstrategie, sondern eine Umstrukturierung. So sollen Klumpenrisiken vermieden werden, die sich aus der bis dato geringen regionalen Streuung der Immobilien ergaben. Noch in diesem Jahr sollen im Gegenzug bis zu zwei Milliarden Euro in größere Immobilien investiert werden, zuletzt machte die Versicherung bereits mit einem Kauf von 80 Grundstücken und Supermärkten des Discounters Aldi Süd auf sich aufmerksam.
Der Markt nimmt wieder Fahrt auf
Doch all das ist nicht nur ein Signal dafür, dass der Immobilienmarkt langsam wieder Fahrt aufnimmt, sondern verdeutlicht auch die Nervosität der Allianz angesichts des anhaltend niedrigen Leitzinses. Denn ein Großteil der Anlagegelder der Versicherung, die jetzt in Immobilien fließen, stammt aus der Lebensversicherungssparte.
Dort steht die Versicherung wie ihre Konkurrenz vor dem Problem, dass sie jährlich Ausschüttungen an ihre Versicherten generieren muss, die zumindest den Garantiezins nicht unterschreiten dürfen. Der liegt im Durchschnitt der deutschen Lebensversicherer derzeit bei 3,5 Prozent, während der Leitzins im Euro-Raum weiter bei einem Prozent verharrt.
Weil Versicherungen zumeist in Anlagen mit sehr geringen Risiken investieren, liegen ihre Zinserträge zumeist kaum höher. Mit anderen Worten: Die Versicherungen können am Kapitalmarkt nicht das erwirtschaften, was sie ihren Kunden ausschütten müssen.
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