Donnerstag, 9. Februar 2012, 01:34 Uhr

manager magazin



Energiemanager magazin RSS  - Energie - Energie

Alle Artikel und Hintergründe

07.09.2010
 

Stadtwerke

Keine Chance gegen die Konzerne

Von Nils-Viktor Sorge

Es wird noch nicht Nacht: Kernkraftwerke in Deutschland dürfen länger laufen; die Stadtwerke sehen sich im Nachteil
Getty Images

Es wird noch nicht Nacht: Kernkraftwerke in Deutschland dürfen länger laufen; die Stadtwerke sehen sich im Nachteil

Das Atomkonzept der Bundesregierung spaltet die Branche in Sieger und Verlierer. Die Konzerne feiern im Stillen, die Stadtwerke lecken öffentlich Wunden. Zuletzt hatten sie sich zu Konkurrenten von RWE, Eon und Co. aufgeschwungen. Deren geballte Lobbykraft zerstört nun ihre größten Pläne.

Hamburg - Krachender hätte die Niederlage für die Stadtwerke kaum ausfallen können. Um bis zu 14 Jahre länger dürfen Kernkraftwerke in Deutschland am Netz bleiben. Sogar die ältesten Meiler, die teilweise schon in diesem Jahr abgeschaltet werden sollten, bekommen satte acht Jahre Schonfrist. Verständlich, dass bei den Chefs der Stromkonzerne Eon, RWE und Co. nach dieser Entscheidung der Bundesregierung Jubel ausbrach.

Bei ihren schärftsten Rivalen, den etwa 1000 deutschen Stadtwerken, machte sich dagegen Ernüchterung breit. "Das Ohr für die Konzerne ist offenbar größer als das für die Versorger in der Fläche", sagt der Geschäftsführer der Stadtwerke Lübeck, Kurt Kuhn gegenüber manager magazin. Kuhn vertritt ein Bündnis von 150 kommunalen Versorgern.

Mit dem Telefonat zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Chefs der Konzerne am späten Sonntagabend, als sie deren Zustimmung einholte, ist der Traum geplatzt, der in den vergangenen Jahren stetig gereift war. In diesem etablieren sich die Stadtwerke schon bald als neue Kraft bei der Stromproduktion in Deutschland. Nun, da die Großkraftwerke der Konzerne länger am Netz bleiben, bricht die Nachfrage für Strom aus den neuen Anlagen der kommunalen Versorger womöglich zusammen.

Zuletzt hatten sich die Stadtwerke auf der Siegerspur gesehen. Alle Welt sprach davon, das Energiesystem in Deutschland müsse sich von Grund auf erneuern - darin sahen sie ihre große Chance. Anstelle gigantischer Kraftwerke, die jahrzehntelang die Stromversorgung sicherstellten und sich in der Hand von großen Versorgern befanden, sollte ein flächendeckendes Netz kleinerer Einheiten treten, die einer Vielzahl von Unternehmen und Investoren gehörte. "Dezentral" lautete das wichtigste Attribut dieser Philosophie, es war Modewort und wirtschaftspolitisches Programm vieler Regierungen zugleich.

Stromproduktion als Antwort auf die Liberalisierung

Zuletzt standen die kommunalen Versorger immerhin schon für 10 Prozent der Stromerzeugung in der Bundesrepublik. Insbesondere engagieren sie sich beim Bau von Blockheizkraftwerken und beteiligen sich an Windparks. Aber auch zum Bau großer Kohlekraftwerke wie in Lünen oder Krefeld haben sie sich zusammengeschlossen.

"Die Unternehmen haben ihre großen Investitionen überwiegend zum Zeitpunkt des Atomausstiegsbeschlusses verkündetet. Das zeigt, dass diese Investitionen bewusst als Ersatz für wegfallenden Atomkraftwerke geplant waren", sagt Energieexperte Nicolai Herrmann von der Unternehmensberatung enervis, die die Gruppe von 150 Stadtwerken mit einem Gutachten unterstützt hat. "Wenn sich diese Marktlücke nicht auftut, fehlt die Nachfrage, die die Kraftwerke erst notwendig gemacht hat."


Selbst in die Stromproduktion einzusteigen war auch eine Antwort der lokalen Versorger auf die Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland. Seit 1998 dürfen Verbraucher ihren Stromlieferanten frei wählen. Neue Anbieter und die großen Konzerne selbst sind in das Geschäft mit dem Endkunden eingestiegen. "Im liberalisierten Energiemarkt muss ein Versorger heute auf allen Wertschöpfungsstufen aktiv sein, sonst fällt er hinten runter", sagt der Energieexperte Olaf Däuper, Partner bei der Anwaltskanzlei Becker Büttner Held.

Nun bleibt die Vormachtstellung der Großen vorerst zementiert, und die Stadtwerke sehen milliardenschwere Investitionen gefährdet. Auf 4,5 Milliarden Euro schätzt der Chef des Darmstädter Versorgers HSE und Sprecher von acht großen Stadtwerken, Albert Filbert, den Schaden für die kleinen Versorger.

Diesen Artikel...

Social Networks

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon
  • Windows Live
  • Yahoo! Bookmarks
  • Yigg

© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH




Vor- / Nachteile der Energieträger

Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - manager magazin Online zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.

Erdöl

Erdgas

Kohle

Atom

Wasser

Wind

Sonne

Biomasse

Erdwärme









Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service manager magazin mobilmm mobil Twitter-FeedsTwitter-Feeds
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und LizenzenNachdrucke WährungsrechnerWährungsrechner
Ihr persönliches DepotDepot Newsletter-Abo: managerupdateNewsletter-Abo Werbung buchenWerbung buchen
E-MailE-Mail RSSRSS-Newsfeed Info: Wir über unsWir über uns
KurseKurse Der Shop von manager magazin und Harvard Business ManagerShop manager-magazin.de als Startseite einrichtenmm.de als Startseite
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apothekenimedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug?GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Nach oben