Hamburg - Dem ehemaligen New Yorker Filialleiter Roland K. soll, neben Kinderpornos, auch anderes kompromittierendes Material untergeschoben worden sein. Das berichtete das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL am Samstag vorab. Dabei handelt es sich, so die Anwaltskanzlei WilmerHale in einem streng vertraulichen Bericht für die Bank, um einen vermeintlichen Hinweis, dass K. Verbindungen zu einem Callgirl-Ring gehabt haben soll.
In der Spitzelaffäre geht der frühere Vorstand Frank Roth strafrechtlich gegen den Chefjustiziar der Bank, Wolfgang Gößmann, und einen Ex-Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Prevent vor. Er habe gegen beide Strafanzeige erstattet, sagte Roth der "Welt am Sonntag". Die Kieler Staatsanwaltschaft prüft, ob die beiden Personen für eine Überwachung des Managers und möglicherweise ungerechtfertigte Vorwürfe des Geheimnisverrats verantwortlich sind. Gößmann und der Sicherheitsberater bestreiten dies.
Der Aufsichtsrat der HSH hatte Roth im April 2009 wegen des Vorwurfs des Geheimnisverrats fristlos entlassen. Nachdem die Staatsanwaltschaft Kiel das Verfahren gegen Roth im Juni mangels konkreter Tathinweise eingestellt hatte, ermittelt sie nun gegen die Bank. Roth bekräftigte in dem Interview, er habe "die Unterlage in keiner Weise weitergegeben".
Der Vorstandsvorsitzende der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, wies die Vorwürfe gegen sein Institut und ihn selbst erneut scharf zurück und kündigte eine zügige Aufklärung aller Vorgänge an. Die Frage eines Rücktritts stelle sich für ihn nicht, sagte Nonnenmacher am Samstag. Er habe nicht nur das Konzept für die Neuausrichtung der Bank erarbeitet, sondern auch die Verantwortung für die Umsetzung übernommen und sehe sich auf dem richtigen Weg. Der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz des früheren Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper hatte Nonnenmacher in der vergangenen Woche sein Vertrauen ausgesprochen.
Die Indiskretionen aus der Bank und die daraus folgenden Medienveröffentlichungen nannte Nonnenmacher erschreckend und für die Bank enorm bedauerlich. "Der Ruf der Bank wird derart massiv geschädigt, dass die harte Arbeit der Mitarbeiter in den vergangenen beiden Jahren in Frage gestellt wird", sagte er.
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