Von Frank Dohmen und Stefan Schultz
Hamburg - Der Prozess zur Aufklärung der Telekom-Spitzelaffäre beginnt mit einem großen Knall: Klaus Trzeschan, früher Leiter der Telekom-internen Sicherheitsabteilung KS3 und jetzt der Hauptangeklagte, hat den früheren Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke mit seiner Aussage vor Gericht schwer belastet.
Trzeschan gab zu Protokoll, Ricke schon im Januar 2005 über Maßnahmen zur Auffindung eines Lecks im Aufsichtsrat informiert zu haben. Dabei soll auch die Protokollierung von Verbindungsdaten thematisiert worden sein.
Trzeschan will Ricke im weiteren Verlauf der Bespitzelungsmaßnahmen sogar ein Redemanuskript erstellt haben, in dem ein vermeintlicher Maulwurf erwähnt wird, dieses Dokument reichte Trzeschan überraschend zum Prozessauftakt zu den Akten. Er habe es erst jetzt auf einem Privatrechner seiner Frau wiederherstellen können.
Ricke hat die Vorwürfe bisher bestritten.
Die Staatsanwaltschaft prüft nun, inwieweit die Aussage des Hauptangeklagten glaubhaft ist. Sollten sich Trzeschans Angaben als glaubhaft erweisen, könnte die Staatsanwaltschaft ein neues Ermittlungsverfahren gegen Ricke eröffnen.
Vom rosa Riesen zu Big Brother
Der Telekom-Spitzelprozess ist wie eine Bohrung in die Tiefen eines skandalösen Systems. Durch die Affäre ist seinerzeit der rosa Riese zu Big Brother mutiert. Jahrelang ließ der Konzern Telefondaten von Gewerkschaftern, Journalisten und Aufsichtsräten von einer Spezialfirma auswerten, massenhaft und systematisch.
Für die Republik geht es um die Aufklärung eines Skandals, den es in einem Konzern wie der Telekom nie hätte geben dürfen, dessen Geschäftsgrundlage es ist, die Daten seiner Millionen Kunden kompromisslos zu schützen. Ausgerechnet dieser Konzern hat diese Pflichten im großen Stil und über Jahre hinweg ignoriert und ausgehebelt.
Die Frage, die die Staatsanwälte bis jetzt nicht klären konnten: Waren das die Eskapaden einer durchgeknallten Konzernsicherheit? Oder kamen die Anweisungen für die Spähaktionen direkt aus Vorstand und Aufsichtsrat?
Ricke wieder in der Schusslinie
Ricke stand, ebenso wie der damalige Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel, lange im Verdacht, weit stärker in die Affäre verwickelt zu sein als er selbst stets angab. Es gab mehrere Hinweise, dass die beiden Manager schon frühzeitig gewusst hätten, dass Telefondaten ausgespäht wurden - und auch über den angeblichen "Maulwurf" im Bilde gewesen seien, der einen Mitarbeiter im Verlag Gruner + Jahr auspionieren sollte.
Beide Manager bestritten die Anschuldigungen. Und die Staatsanwälte mussten die Ermittlungen gegen die Manager letztlich einstellen - "aus Mangel an Beweisen".
Durch Trzeschans neue Aussagen ist nun zumindest Ricke wieder in der Schusslinie. Bis spätestens nächste Woche will die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie gegen ihn ein neues Ermittlungsverfahren eröffnet.
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