Von Maren Hoffmann
Es gibt ein weltweit gültiges ökonomisches Gesetz. Es lautet: Irgendwo muss die Kohle herkommen. Näheres haben die Betroffenen selbst zu regeln. In China zum Beispiel kommt die Kohle aus der Mongolei, genauer gesagt, der Inneren Mongolei. Rein phonetisch klingt das schon mal verdächtig nach innerem Monolog. Klar, man kennt das aus dem Reich der Mitte: Bloß keine offene Kommunikation nach außen.
Diesmal allerdings lässt sich nicht verheimlichen, dass mit der Kohle nicht alles rund läuft. Sie wird in vielen Lastwagen nach Peking gekarrt, wo die Leute immer Kohle brauchen, und das führt jetzt schon zum zweiten Mal in rascher Folge zu einem wahnsinnig irren Mega-Stau. Rund zehn Tage hatten die Brummi-Fahrer beim ersten Mal auf der sogenannten Expressroute zwischen Jining und Huai'an ausharren müssen, die Geschwindigkeiten des ziemlich zäh fließenden Verkehrs lagen so bei einem Kilometer pro Tag. Seit Donnerstag staut es sich wieder, diesmal zwanzig Kilometer länger, Ende nicht absehbar.
Maren Hoffmann
Erstens: China hat im vergangenen Jahr die USA als weltgrößter Automarkt abgehängt. Zweitens: Bei deutschen Autoherstellern sind sämtliche Führungsstäbchen seit Monaten im China-Rausch, weil dort so gerne deutsche Fahrzeuge gekauft werden. Drittens: Nach langen Monaten der Wartezeit konnte Daimler jetzt endlich mit seinem Lastwagen-Gemeinschaftsunternehmen mit Foton Motor, dem weltweit viertgrößten Lkw-Hersteller, loslegen. Viertens: China hat ein etwa zwei Millionen Kilometer langes Straßennetz. Fünftens: Ein normaler Sattelzug ist ungefähr 16 Meter lang. Sechstens: Im vergangenen Jahr wurden in China, dem weltweit größten Lkw-Markt, eine knappe Million Brummis neu zugelassen.
Wenn man also das chinesische Straßennetz komplett nutzen möchte, müssen darauf ungefähr 111 Millionen Lkw stehen, bis, wenn man sie dicht an dicht stellt, der Markt dann aber auch mal so richtig gründlich gesättigt ist. Wie viele Lkw es in China gibt, ist nicht einwandfrei zu ermitteln; nach der Erstzulassung schweigt die Statistik.
In Brasilien, so viel ist aus Fachkreisen bekannt, hält ein Lkw bis zum endgültigen Zusammenbruch etwa 18 Jahre. Sagen wir also mal, es gibt maximal 21 Millionen Laster in China, okay? Können also noch 90 Millionen Fahrzeuge verkauft werden. Bei einem realistisch geschätzten Marktanteil von, sagen wir, 90 Prozent aus deutscher oder deutsch-chinesischer Fertigung braucht es also nur noch 81 Jahre, bis Peak Lkw für uns erreicht und China komplett mit Lastern zugeparkt ist. Die stillgelegten Fahrzeuge spielen in dieser Statistik keine Rolle, weil ja eh alles steht.
Es ist aus dieser Perspektive betrachtet kein Wunder, dass sich Langlimousinen in China viel besser verkaufen als die europäischen Shorty-Autos - es geht um Marktanteile, es geht um den Platz auf der Straße, da muss man sein Revier markieren. In spätestens 80,5 Jahren sollte man allerdings langsam darangehen, sein Portfolio umzuschichten, weg von der Autoindustrie.
Wir empfehlen schon mal eine bisher noch weithin unterschätzte Branche: Förderbänder. Ganz heiße Sache. Denn wenn die Straßen blockiert sind, muss das ganze Zeug ja trotzdem irgendwie weiterbefördert werden - und die Lkw-Fahrer freuen sich, wenn ab und zu ein Imbiss vorbeigefahren kommt.
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