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03.09.2010
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Pharmaindustrie in Schwellenländern

Dick im Geschäft

Von Nils-Viktor Sorge

Deutsche Pharmakonzerne: Wer in Schwellenländern gute Geschäfte macht
Fotos
REUTERS

2. Teil: Merck muss in Indien aufholen

"Ein wesentliches Element der Pharmastrategie ist der gezielte Ausbau unseres Geschäfts in den Schwellenländern", beschreibt das Unternehmen seine Strategie. Etwa ein Fünftel der Bayer-Investitionen entfällt inzwischen auf China. Auch bei Merck KGaA Chart zeigen und Boehringer Ingelheim stehen die Schwellenländer - vor allem China - ganz weit oben, wenn es um Wachstum und neue Kundengruppen geht.

In Indien sehen sich ist manche noch unterrepräsentiert. So identifiziert Merck ungehobene Marktpotenziale. "An Lösungen arbeiten wir", schrieb Chef Karl-Ludwig Kley im Frühjahr entschuldigend an die Aktionäre. In China ist er weiter. In den kommenden vier Jahren investiert Merck 150 Millionen Euro in den Aufbau eines globalen Zentrums für Forschung und Entwicklung.

Das bietet viele Vorteile. "Die Durchführung von Studien in China trägt nicht nur zur Beschleunigung der Patientenrekrutierung und zur Verkürzung der Medikamentenentwicklungszeit bei, sondern erleichtert den neuen Arzneimitteln auch den früheren Zugang zum chinesischen Markt", sagt die für Boehringer in China tätige Ärztin Vivian Gu.

Anders als beispielsweise in der Autoindustrie stehen die Pharmakonzerne bei der Erschließung der Schwellenländermärkte noch relativ am Anfang. China beispielsweise soll erst in 15 Jahren der größte pharmazeutische Markt der Welt sein, erwartet Boehringer Ingelheim. Dagegen ist China in einzelnen Monaten schon der weltgrößte Automarkt gewesen.

Branche steht am Anfang - und holt auf

Doch die Gesundheitsbranche holt in raschen Schritten zum Westen auf. Zweistellige Wachstumsraten sind in den vergangenen Jahren Standard. Für 2009 schätzt die deutsche Außenwirtschaftsagentur GTAI den Zuwachs der Gesundheitsausgaben im Vergleich zum Vorjahr auf 20 Prozent. Positiv wirkt sich dabei auch die steigende Zahl von Krankenversicherten aus.

"Ausländische Hersteller von Medizintechnik werden von dem positiven Trend weiterhin stark profitieren können", erwarten die Experten - vor allem deutsche. "Deutsche Lieferanten von Medizintechnik genießen in der VR China einen herausragenden Ruf." Aufgrund hoher staatlicher Investitionen wuchs dieser Bereich 2009 sogar um 30 Prozent.

Im Jahr zuvor kamen 22,5 Prozent aller chinesischen Importe in dem Bereich aus Deutschland, das in der Statistik damit Platz zwei hinter den USA belegt. Gefragt sind den GTAI-Experten zufolge insbesondere Apparate und Geräte der Elektrodiagnostik wie Ultraschalldiagnose und Magnetresonanzgeräte sowie Überwachungsapparate.

Die Nachfrage in den Schwellenländern zieht inzwischen den weltweiten Absatz in der Gesundheitsbranche schon jetzt deutlich nach oben. Das Marktforschungsinstitut IMS Health rechnet 2010 mit einem Wachstum von 4 bis 6 Prozent. Die größten Wachstumsraten gebe es auf den neuen Märkten, die zwischen 13 und 16 Prozent auf dann 160 bis 190 Milliarden Dollar anwachsen sollen. Dazu gehören die vier BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) sowie die Türkei, Südkorea und Mexiko.

Die Weltgesundheitsorganisation sieht das naturgemäß kritisch und wirbt in zahlreichen Aufklärungskampagnen in den einzelnen Schwellenländern beispielsweise für mehr Bewegung. In China scheint der Markt die Dinge inzwischen ein wenig in ihrem Sinne zu lenken. Weil die Straßen zunehmend verstopfen, erlebt das Zweirad eine kleine Renaissance, wenn auch mit Elektromotor. Strampeln muss der Fahrer zur Freude der Organisation aber trotzdem.

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