Hamburg - Fahrradfahrer haben in China einen immer schwereren Stand. Noch vor wenigen Jahren dominierten sie das Straßenbild in vielen Städten. Nun sind sie größtenteils an den Rand gedrängt und sind einer immer größeren Rußwolke ausgesetzt, die der stetig anschwellenden Autoverkehr verursacht. Kein Wunder, dass eine wachsende Zahl von Chinesen lieber gleich ins Auto steigt.
Die Einwohner Chinas und anderer Schwellenländer schwenken mit wachsendem Wohlstand nach und nach auf einen westlichen Lebensstil um, und die Konsequenzen werden immer deutlicher. Bereits einer von zehn Chinesen soll unter Diabetes leiden, fanden chinesische Forscher in diesem Jahr heraus.
Die im New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse schlugen hohe Wellen. Bewegungsmangel, schlechte Ernährung, Übergewicht - die Gründe für die schnelle Verbreitung westlicher Zivilisationskrankheiten sind dieselben wie in Deutschland oder den USA.
In vielen Zentralen von Pharmakonzernen und Medizintechnikherstellern dürfte der Trend jedoch Zuversicht fürs eigene Geschäft ausgelöst haben. Denn ihre Arzneien und Geräte werden in den kommenden Jahrzehnten gefragt wie nie zuvor sein.
Zahl der Herzkranken dürfte sich in Indien bis 2025 verdoppeln
"Krankheiten wie Diabetes, Krebs, Schlaganfall und chronische Lungenkrankheiten sind zu einem Hauptproblemen geworden - weil die Bevölkerung altert und ihr Verhalten ändert", diagnostiziert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Blick auf Indien. In rasantem Tempo versuchen nun auch deutsche Unternehmen ihr Wachstum zu steigern - vor allem in Asien.
Bayer
setzt im Aufschwung voll auf Schwellenländer. Das "Wachstum dürfte zunehmend von Ländern wie China, Brasilien, Mexiko, Südkorea, Indien und Russland ausgehen", heißt es in Leverkusen mit Blick auf das Pharmageschäft. Auf dem indischen Markt ist der Pharmakonzern unter anderem mit seinen Blutzuckermessgeräten Contour und Ascensia vertreten. Auch mit einem Insulinprodukt ist Bayer vertreten.
Eine gute Ausgangslage für die erwarteten Geschäfte auf dem Subkontinent. "Der indische Markt umfasst 40 Millionen Diabetiker", schreiben Experten der Unternehmensberatung Accenture. Auch die Behandlung von Herzkrankheiten verspricht steigende Umsätze. 80 Millionen Inder leiden bereits jetzt. "Die Zahl dürfte sich bis 2025 verdoppeln."
Das Geschäft im gesamten asiatisch-pazifischen Raum wuchs bei Bayer auch im schwierigen Jahr 2009 deutlich, als der Umsatz in Nordamerika und Europa beinahe stagnierte. So erhöhte sich der Umsatz von Aspirin Cardio - einem Mittel zur Prävention von Herzinfarkt und Schlaganfall - vor allem aufgrund starker Zuwächse in China um 14,9 Prozent. Der Produktionsstandort Peking wird stetig erweitert.
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