Von Arvid Kaiser
Für Görg und Verdi ist Borletti nur ein Störfaktor. Der Insolvenzverwalter bezeichnet dessen Konzept als "unverlangt eingesandte Papiere ohne Substanz". Obwohl er das vierseitige Angebot nach Aussage eines Sprechers "fast übersehen hätte", hat er sich ausführlich damit beschäftigt und mehrere Zweifel angemeldet (die Borletti bestreitet). Die Highstreet-Gläubiger sollten nicht darauf spekulieren, dass sie eine Alternative zur Wahl Berggruen oder Totalausfall hätten.
Verdi-Sekretärin Margret Mönig-Raane wirft der Deutschen Bank "doppeltes Spiel" mit Borlettis Hilfe vor, auch Berggruen äußerte sich ähnlich. Tatsächlich klingt das Bekenntnis der Bank zu Berggruen halbherzig. "Es könnte durchaus sein, dass Borlettis Angebot besser ist", sagte Vorstand Jürgen Fitschen der Zeitung "Die Welt". Nur komme es leider zu spät, und deshalb sei Berggruen "die sicherste Lösung".
Verdi äußert den Verdacht, Borletti biete nur für Karstadt, um den Highstreet-Partnern im Mietpoker zu helfen. Tatsächlich findet der Italiener die bestehenden Mieten "marktüblich".
Zuvor war Borletti an der Seite des Goldman-Sachs-Fonds Whitehall aufgetreten, der zeitweise erwogen hatte, Karstadt selbst zu übernehmen - und erklärt damit sein verspätetes Angebot. Mit der Deutschen Bank, Pirelli und Generali ist er seit Jahren verbunden, daher kam ein Großteil seines Kapitals für die Kaufhausdeals. Deutsche-Bank-Fondsmanager Andrea Vanni warb bis zuletzt bei Görg für den Landsmann.
Die Highstreet-Gläubiger sollen nun vorsorglich einen Vorratsbeschluss fassen, der schnelle Verhandlungen mit Dritten ermöglicht, sollte der Deal mit Berggruen doch noch platzen. "Sollte Herr Borletti zum Zuge kommen, hätten wir bereits eine Einigung zum Thema Mieten", erklärt ein Sprecher des Konsortiums.
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