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02.09.2010
 

Maurizio Borletti

Kaufhauskönig im Wartestand

Von Arvid Kaiser

La Rinascente, Printemps, Karstadt: Die Geschäfte des Maurizio Borletti
Fotos
AFP

Während Karstadt dem endgültigen Verkauf an Nicolas Berggruen entgegenfiebert, hofft Maurizio Borletti auf ein Scheitern des Deals. Der Italiener hat große Pläne mit der insolventen Kaufhauskette. Er will einen europäischen Konsumkonzern schaffen und an die glorreiche Vergangenheit seiner Mailänder Dynastie anknüpfen.

Hamburg - Offiziell gibt es nur eine Option für Karstadt. US-Investor Nicolas Berggruen soll die Kaufhauskette endlich, nach viermaliger Verzögerung, aus der Insolvenz befreien. Der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hat sich festgelegt, die Politik, die Gewerkschaft Verdi, und auch das Vermieterkonsortium Highstreet. Dessen Kapitalgeber müssen einer Mietminderung zustimmen, damit der Kaufvertrag zwischen Görg und Berggruen in Kraft treten und das Essener Amtsgericht am Freitag die Liquidation von Karstadt abwenden kann.

Die Highstreet-Partner, Immobilienfonds von Goldman Sachs Chart zeigen, Deutscher Bank Chart zeigen, Pirelli Chart zeigen und Generali Chart zeigen, haben zugestimmt, ebenso der Hauptgläubiger Valovis Bank. An diesem Donnerstag soll die letzte Hürde fallen, wenn auch die Anleihenbesitzer, die sich in London treffen, und Mezzanine-Kapitalgeber, darunter große Hedgefonds, Ja sagen. Letztere müssen den Mietverzicht für die Mehrheit der Karstadt-Häuser einstimmig genehmigen. "Wir gehen davon aus, dass das Berggruen-Konzept durchkommt", ist aus dem Umfeld von Highstreet zu hören.

Doch was, wenn nicht? Dann ist Görg, der bereits das Schwesterunternehmen Quelle nicht retten konnte, maßlos blamiert. Dann müssen die 25.000 Karstadt-Beschäftigten weiter um ihre Jobs zittern. Und dann schlägt die Stunde von Maurizio Borletti. Der Italiener, mit 2 Prozent an Highstreet beteiligt aber in dieser Frage nicht stimmberechtigt, präsentiert sich mit einem Last-Minute-Angebot als "der beste künftige Eigentümer für Karstadt".

Frankreich und Italien als Vorbilder

Der 43-Jährige verkündet eine große Zukunft für das Geschäft der von vielen totgesagten Innenstadt-Kaufhäuser. Bis in Details der Warenpräsentation gehen seine Ideen, mit denen er "das Streben nach Luxus" ansprechen und zugleich Waren in einer breiten Palette von billig bis teuer unters Volk bringen will.

Die Kaufhäuser hätten sich niemals auf den Preiswettbewerb mit den Spezialisten einlassen sollen, ist Borlettis Credo. Ihre Stärke sei, die Kunden mit einem breiten Angebot und ständig neuen Kaufideen zu überraschen. Karstadt könne viel von seinen anderen Kaufhausbeteiligungen lernen, La Rinascente in Italien und Printemps in Frankreich. Dort würden zum Teil doppelt so hohe Umsätze pro Fläche erzielt wie in den deutschen Kaufhäusern, die Ketten seien profitabel und könnten deshalb auch wieder expandieren.

Seit Borletti vor fünf Jahren La Rinascente übernahm und im Jahr darauf Printemps, ist die Rede von einem neuen europäischen Konsumkonzern. Beide Häuser sind allerdings wesentlich kleiner und edler als Karstadt. Dennoch sehen viele den smarten Unternehmer, der bereits in jungen Jahren die französische Silberwarenmanufaktur Christofle sanierte, auf dem Weg nach ganz oben. Besonders seine Überzeugungskraft wird gerühmt. "Er ist ein geborener Verführer", zitiert "Le Monde" seinen Freund Michel Bernardeau, Chef des gleichnamigen Porzellanherstellers.

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