Hamburg - Gewitterregen, ein beinahe leeres Stadion und keine Siege - die neue Fußballherrlichkeit in Leipzig hatten sich die Macher von Red Bull sicher anders vorgestellt. Gegen die zweite Mannschaft von Hannover 96 reichte es für RB Leipzig am Wochenende wieder nur zu einem 1:1. Das dritte Unentschieden im dritten Spiel der neuen Regionalligasaison provozierte ein Pfeifkonzert der 2600 Fans im 44.000 Menschen fassenden Stadion.
Der Stotterstart in die neue Saison ist kein gutes Vorzeichen für das Leipziger Großprojekt des österreichischen Multiunternehmers Dietrich Mateschitz. Will der Boss des Getränkekonzerns Red Bull doch ein bisher einmaliges Fußballimperium erschaffen, in dem die sächsische Metropole samt eigens gegründetem Verein RasenBallsport wichtigster Baustein ist.
In Salzburg, New York, Ghana und Brasilien unterhält Mateschitz weitere Standorte. Die Synergien - ein in der Fußballbranche bisher weithin unbekannter Begriff - sollen das Leipziger Team auf eine Stufe mit Größen wie Bayern München, Manchester United und dem FC Barcelona katapultieren.
Der Zweck des Unterfangens ist so einleuchtend wie revolutionär. Mateschitz will sich mit erfolgreichen Clubs Aufmerksamkeit für seine Hallo-Wach-Brause verschaffen, und Kosten für teure Werbekampagnen sparen. Von einem nicht kommentierten 100-Millionen-Euro-Budget, angelegt auf mehrere Jahre, ist die Rede.
In Leipzig vermutet Mateschitz ideale Bedingungen, denn die Stadt hungert nach großem Fußball. In den drei obersten Ligen des Landes findet sich kein Leipziger Team, obwohl der Sport in der zweitgrößten Stadt Ostdeutschlands eine lange Tradition hat. Der erste deutsche Fußballmeister war der VfB Leipzig, dessen Nachfolgeverein mit gleichem Namen 2004 wegen finanzieller Schwierigkeiten aufgelöst wurde. In der Bundesliga ist kein einziger Verein aus Ostdeutschland vertreten.
Zudem verfügt Leipzig mit dem jüngst in Red-Bull-Arena umbenannten Stadion über eine Spielstätte, die als Weltmeisterschaftsstadion für alle Wettbewerbe geeignet ist. Im alten Zentralstadion an selber Stelle sahen noch 1987 geschätzte 100.000 Zuschauer das Europapokalhalbfinalspiel zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und Girondins Bordeaux - so viele Menschen haben seither in Deutschland nicht noch einmal ein Fußballspiel besucht.
Inzwischen sind die Erwartungen in Leipzig deutlich geschrumpft. Für Red Bull Chance und Risiko zugleich. Einerseits ist das Publikum längst noch nicht von dem Projekt RasenBallsport überzeugt, wie die auch im Vergleich zum unterklassigen Lokalrivalen Lok niedrigen Zuschauerzahlen zeigen. Andererseits würde ein Erfolg vermutlich als Überraschung wahrgenommen und könnte eine Euphoriewelle auslösen.
© manager magazin Online 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH