Frankfurt am Main - Bahnchef Rüdiger Grube erhöht das Tempo jenseits der Grenzen. Mit der Übernahme des britischen Transporteurs Arriva , die der bundeseigene Konzern am Freitag unter Dach und Fach brachte, will die Deutsche Bahn im Personenverkehr europäischer werden. Und zwar schnell. Denn die neue Tochter bringt auf einen Schlag Busse und Bahnen in elf Staaten ein - und soll zur Plattform für künftiges Wachstum werden, wenn sich Nachbarmärkte öffnen. Der bisher teuerste Coup, der die Bahn 2,8 Milliarden Euro kostet, hat auch hierzulande Folgen: Die deutschen Arriva-Aktivitäten kann ein Konkurrent kaufen.
"The deal is done", verkündete Grube den Abschluss des Geschäfts gleich passend international. Nach vorsichtigen Annäherungsversuchen bei den börsennotierten Briten Mitte März machte er den Kauf binnen weniger Monate klar, ohne dass Rivalen wie die französische SNCF den ehrgeizigen Plan durchkreuzten. Mit Arriva wollen die Deutschen Kraft tanken, um auf der europäischen Bühne machtvoll mitmischen zu können. Bisher macht Personenverkehrs-Vorstand Ulrich Homburg gerade einmal zwei Prozent des Umsatzes im Ausland - nun springt der Anteil über 20 Prozent. "Wer nicht schrumpfen und Arbeitsplätze im Heimatmarkt gefährden will, muss im Ausland wachsen", lautet Grubes Ansage.
Die Arriva-Übernahme sei eine einmalige Gelegenheit gewesen, in Europa nicht nur "in homöopathischen Dosen" auf Touren zu kommen, argumentierte der 59-Jährige. Denn im Wettbewerb der großen Bahnen auf dem Kontinent dürften am Ende vielleicht nur fünf oder sechs Anbieter übrig bleiben. Tatsächlich kam der Verkehrsriese aus Germany bisher nur Schritt für Schritt als Nahverkehrsbetreiber jenseits der Grenzen zum Zuge. Vor drei Jahren wurde eine regionale Busfirma in Dänemark gekauft, in Großbritannien gehören inzwischen zwei Nahverkehrsanbieter zum Konzern. In Schweden gewannen die Deutschen zwei Ausschreibungen. In welchen Märkten sie demnächst mit vereintem Know-how angreifen wollen, verrieten die Manager vorerst aber nicht.
Für das "Brot- und Buttergeschäft" als Transporteur in Deutschland bedeute die internationale Offensive keinerlei Abstriche, beteuerte der Bahnchef. "Es geht kein einziger Euro für Sicherheit, Service und Qualität verloren." Denn die hartnäckigen Technikprobleme mit ICE- Achsen und Klimaanlagen im Hochsommer hatten den Chor der Kritiker anschwellen lassen, die Arriva-Milliarden lieber hier zu investieren.
Auf den Heimatmarkt bringt der Deal allerdings Bewegung. Denn die deutschen Aktivitäten der Briten muss die Bahn laut EU-Auflage zügig weiterverkaufen. Dazu gehören Regionalbahnbetreiber wie Metronom und die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg). Konkurrenten wie Veolia Environnement Verkehr, die zur SNCF gehörende Keolis Deutschland oder die Benex-Holding der Hamburger Hochbahn haben schon Interesse signalisiert. Möglichst noch in diesem Jahr will die Bahn dem Meistbietenden den Zuschlag geben. Und gibt sich betont gelassen, wer das Rennen macht - ein ganz neuer Rivale oder ein anderer Konkurrent, der dadurch größer wird.
kst/ddp/dpa-afx
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