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23.08.2010
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Windenergie

Deutsche Hersteller blasen zur Aufholjagd

Von André Schmidt-Carrée

Windenergie: Die wichtigsten Player der Zukunftsbranche
Fotos
DPA

3. Teil: Anspruchsvolle Technik für das Offshore-Geschäft

Außerdem versprechen sich die Anlagenbauer künftig viel von jenem Geschäft, bei dem die Windanlagen im Meer montiert werden, dem sogenannten Off-Shore-Geschäft. "Die Technik ist wesentlich anspruchsvoller, als das Geschäft auf festem Boden", sagt Sarasin-Experte Fawer.

Dennoch setzen die meisten großen Hersteller auf den Meereswind. Denn der weht kräftiger und konstanter als an Land, entsprechend höhere Erträge bringen die Anlagen. Außerdem sind die Entrittsbarrieren für neue Unternehmen höher: "In dem Geschäft zählt vor allem Verlässlichkeit", sagt BCG-Experte Rubel. "Denn Ausfall- und Reparaturkosten beim Defekt einer Anlage sind gigantisch."

Marktführer beim Off-Shore-Geschäft ist Siemens, das 2004 den dänischen Windkraftanlagenbauer und Off-Shore-Spezialisten Bonus Energy übernommen hatte. Im wichtigen britischen Markt ist Siemens am weltweit bislang größten Off-Shore-Projekt beteiligt: Ab 2020 sollen mehr als 5000 Turbinen vor den Küsten Englands Strom liefern. Die britische Regierung plant, mittelfristig ein Viertel des gesamten Strombedarfs mit Off-Shore-Windkraft zu produzieren.

Doch das allein reicht Siemens nicht. Bis 2012 will Siemens aus dem grauen Niemandsland der Top Ten unter die führenden drei der Windenergieelite vordringen. Allein Weltmarktführer Vestas Chart zeigen und die Windanlagendivision des ewigen Siemens-Rivalen General Electric Chart zeigen aus den USA hält man demnach vorerst für uneinholbar.

Wie Siemens die Aufholjagd gelingen kann

Mit Windenergieanlagen auf hoher See allein ist das nicht zu machen, dazu steht die Technik dafür noch zu sehr am Anfang. Das große Geschäft wird vorerst weiter mit Anlage auf dem Festland gemacht. Vor allem China und die USA gelten als wachstumsstark. Siemens zum Beispiel errichtet gerade Fertigungsanlagen in Kansas und Shanghai, die beide noch in diesem Jahr in Betrieb gehen sollen.

"China und die USA zählen derzeit zu den interessantesten Regionen", sagt Sarasin-Experte Fawer. Im vergangenen Jahre entfielen 35 Prozent der neu installierten Windenergieleistung auf Anlagen in China, 26 Prozent auf die USA.

Vor allem in China schießen Windräder wie Pilze aus dem Boden, seit Peking die Marschroute vorgegeben hat, den enormen Energiehunger des Landes auch mit Windrädern zu decken. Derzeit steht China mit einer installierten Leistung in etwa gleich auf mit Deutschland. Doch 13 der aktuell rund 25 installierten Gigawatt Leistung sind allein in 2009 gebaut worden.

Chinas Platzhirsche Goldwind und Sinovel werden protegiert

Von dem Wachstum profitiert derzeit vor allem Chinas Windkraftstars wie etwa die dortigen Marktführer Goldwind und Sinovel. "Die meisten ausländischen Unternehmen haben zuletzt Marktanteile in China verloren", sagt Per Henrik Graesberg, Manager des Carlson Renewable Energy Fund. Um überhaupt an Aufträge zu kommen, müssen sie vor Ort produzieren, und selbst dann bekommen ausländische Unternehmen häufig nur über Kooperationen einen Fuß in die Tür.

In Kürze dürfte China die USA als Staat mit den meisten Windparks vom Thron stoßen; in Amerika sind derzeit Anlagen mit einer Leistung in Höhe von rund 35 Gigawatt installiert. Denn dort haben die meisten Energieversorger den gesetzlich vorgeschriebenen Anteil regenerativer Energien im vergangenen Jahr erreicht. Von US-Präsident Barack Obamas Energiewende ist in aktuellen Gesetzesvorlagen trotz des BP-Desasters nämlich nicht mehr viel übrig.

"Es kann gut sein, dass in den USA erst einmal die Luft raus ist", sagt Fawer. Neben fehlenden staatlichen Anreizen macht auch ein konjunkturbedingt niedriger Gaspreis der Windenergie zu schaffen.

Indien expandiert: Suzlon kauft Mehrheit an Repower

In anderen Staaten sieht die Lage dank Förderung und gesetzlicher Vorgaben besser aus: Brasilien, Kanada und Indien zählen zu den Hoffnungsträgern. Indien zum Beispiel will unabhängig von den zunehmenden Kohleimporten werden, die es bislang für sein starkes Wirtschaftswachstum braucht. Und setzt auf Windenergie. Das Land beheimatet bereits einen der weltweiten bedeutendsten Windkraftanlegenhersteller.

Das indische Unternehmen Suzlon produziert und liefert weltweit. Hierzulande ist das Unternehmen spätestes bekannt geworden, als Eigentümer und Chef Tulsi Tanti 2007 einen spektakulären Coup landete, indem er die Mehrheit beim Windanlagenbauer Repower aus Hamburg übernahm. Eine vollständige Übernahme scheiterte bislang allerdings am Widerstand der verbliebenen Aktionäre.

Wie sich die deutschen Hersteller in Zukunft schlagen, wird auch vom heimischen Markt und der hiesigen Politik abhängen. Der Windradhersteller Nordex aus der Nähe von Rostock bekam am 18. August 2010 schon mal Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die wollte sich ihrer Energiereise durch Deutschland ein Bild von der aktuellen Lage machen.

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