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18.08.2010
 

Coaching

Woran Manager häufig scheitern

Von Eva Buchhorn

Unangemessen: Personalführung erlernt der Betriebswirt oft erst dann, wenn er eine Machtposition übernimmt
Corbis

Unangemessen: Personalführung erlernt der Betriebswirt oft erst dann, wenn er eine Machtposition übernimmt

Karin Siegle-Kvarnström coacht Manager. Im Interview mit dem manager magazin spricht sie darüber, dass Personalberater oft den falschen Kandidaten als neue Führungskraft liefern. Und das habe gerade in Deutschland ganz spezielle Gründe.

mm: Frau Siegle-Kvarnström, die deutsche Wirtschaft erholt sich wieder. Wie haben Führungskräfte die Krise erlebt?

Siegle-Kvarnström: Das lässt sich so generalisierend nicht sagen. Ich sehe ja als Executive Coach nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit. Aber die Manager, die ich berate, haben mir häufig vom Druck erzählt, der auf ihnen lastete. Von Einsamkeit in der Führungsrolle. Von der Angst vor dem plötzlichen Karriereende, wenn sie den schärferen Anforderungen nicht gewachsen waren. Manche suchen nun eine neue Orientierung, weil sie spüren, dass sie mit bisherigen Führungs- und Verhaltensmustern nicht mehr weiterkommen.

mm: Woran scheitern diese Manager?

Siegle-Kvarnström: Viele haben sich sehr schwer damit getan, ein der krisenhaften Situation ihres Unternehmens angemessenes Führungsverhalten zu zeigen. Sie wussten nicht, wie sie ihre Mitarbeiter durch das Tal der Tränen mitnehmen sollen. Manche stehen zusätzlich unter dem Druck ihrer Kontrolleure oder Gesellschafter, die sagen: "Ja Herr X, dann machen Sie doch jetzt mal einfach eine klare Ansage!" Das sind typische Sprüche, die Manager sich gegenseitig zuwerfen, um ihre Ratlosigkeit zu verbergen.

mm: Wie helfen Sie Ihren Klienten?

Siegle-Kvarnström: Ich führe ihnen plastisch vor Augen, wie sie in bestimmten Situationen besser handeln und kommunizieren könnten. Sie prüfen in der Regel nicht die Alternativen, die sie haben und sind auf einen Lösungspfad fixiert. Vielen Topmanagern ist zudem überhaupt nicht bewusst, wie sie sich ausdrücken, und welche Wirkung ihre Art der Kommunikation auf ihre Mitarbeiter hat. Sie meinen, sie führten transparent und partnerschaftlich, und in Wahrheit herrscht auf den unteren Ebenen Orientierungslosigkeit bis nackte Angst.

mm: Das fällt schwer, zu glauben. Bei all den Assessments, die Führungskräfte heutzutage im Laufe ihrer Karriere absolvieren, bei all den "Führungsseminaren" und schlauen Rhetorikbüchern auf dem Weiterbildungsmarkt - wie können da deutsche Manager immer noch Führungsanalphabeten sein?

Siegle-Kvarnström: Statistiken belegen immer wieder, dass die Mehrzahl der Manager nach einem Jobwechsel nicht an mangelnder Fachkenntnis oder Intelligenz scheitert, sondern an den sogenannten weichen Faktoren. Oft passt der Neue nicht ins Team, weil er eben ein unangemessenes Führungsverhalten zeigt und die Kultur des neuen Unternehmens ignoriert. Ich weiß um all die Kurse, die Managern zur Verfügung stehen - ich glaube nur nicht daran, dass sie wirklich Nutzen entfalten.

mm: Der Punkt ist doch: In der Regel spielen die weichen Faktoren bei Beförderungen nicht die entscheidende Rolle, oder?

Siegle-Kvarnström: In Deutschland wird bei der Karriere immer noch einseitig Wert auf Fachwissen und analytische Fähigkeiten gelegt. Führung lernt der junge Betriebswirt oder Ingenieur an der Universität nicht, und letztlich können sie diese auch im Job vernachlässigen - bis sie dann wirklich Macht haben. Dann wird erwartet, dass sie führen können und man wundert sich, wenn sie versagen.

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Zur Person

Karin Siegle-Kvarnström arbeitet seit Ende 2008 in Hamburg als Executive Coach. Zuvor war sie 20 Jahre Personalberaterin bei Egon Zehnder International, davon 12 Jahre als Partnerin und verantwortlich für die Betreuung von mittelständischen und großen Unternehmen in Deutschland und Europa.









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