Hannover - Das mit Haushaltsproblemen kämpfende Land Niedersachsen will bei der Verschmelzung von Volkswagen und Porsche einen Teil seiner VW-Beteiligung zu Geld machen, ohne an Einfluss auf das Unternehmen einzubüßen. Kreisen zufolge hat das Land interne Berechnungen angestellt, demzufolge sich sein Anteil an einem kombinierten Konzern aus Volkswagen und Porsche auf mehr als 22 Prozent erhöhen könnte.
Die zusätzlichen Aktien könnten verkauft werden, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen. "Die Landesregierung beabsichtigt, weitere Erlöse aus Vermögensveräußerungen zu erzielen. Das könnte auch Volkswagen
betreffen," sagte Ministerpräsident David McAllister am Montag. Er bekräftigte zugleich: "Das Land Niedersachsen wird seinen Anteil nicht unter die heutigen 20,01 Prozent senken", die ihm ein Vetorecht geben.
NordLB-Autoanalyst Frank Schwope warnte allerdings: "Die Bewertungsfrage ist ein Spiel mit vielen Unbekannten. Ob die Anteile von Niedersachsen nach der Verschmelzung 2011 tatsächlich zwei Prozentpunkte höher liegen werden, ist völlig unklar."
Experten halten zudem Konstruktionen für denkbar, bei denen Niedersachsen seine Anteile zwar verkauft, aber dennoch sein Stimmrecht behält. In einem vergleichbaren Fall hatte Daimler
seine Beteiligung am Luftfahrtkonzern EADS
gesenkt, das deutsch-französische Stimmverhältnis wurde aber über einen solchen Weg erhalten. "Denkbar ist auch, dass Niedersachsen seine Anteile an eine andere Landesbeteiligung, auf die sie großen Einfluss hat - etwa die Salzgitter AG
- verkauft," sagte ein weiterer Branchenexperte.
Bei einem Verkauf vor zwei Jahren hätte Niedersachsen sehr viel mehr Geld verdienen können als beim derzeitigen Kurs. Porsche hatte versucht, VW zu übernehmen, was den VW-Kurs zeitweise auf bis zu 1000 Euro getrieben hatte. Niedersachsen hatte sich aber gegen den Verkauf gestemmt, um seinen Einfluss auf das Unternehmen nicht zu verlieren.
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