Darmstadt - Dank der hohen Nachfrage nach Flüssigkristallen für Flachbildschirm-Fernseher und steigender Erlöse im Pharmageschäft hob der Konzern am Donnerstag bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose an. Ohne den übernommenen US-Laborausrüster Millipore rechnet der Konzern 2010 nun mit einem Anstieg des Betriebsgewinns um 95 Prozent und des Umsatzes um 12,5 Prozent. Bisher hatte Merck lediglich ein Wachstum von 3 bis 7 und einen Anstieg des operativen Gewinns um 30 bis 40 Prozent in Aussicht gestellt.
"Die erfreulichen Ergebnisse des zweiten Quartals mit Gesamterlösen von über zwei Milliarden Euro belegen, dass das erste Quartal kein einmaliger Ausreißer nach oben war, sondern den Kurs für das Gesamtjahr anzeigte", erklärte Firmenchef Karl-Ludwig Kley. Millipore eingerechnet geht der Konzernchef nun von einem Umsatzplus von 21 Prozent und einem Anstieg des operativen Ergebnisses von 90 Prozent aus.
"Die Prognoseanhebung ist beeindruckend, zumal der Konzern für konservative Ausblicke bekannt ist", erklärte DZ-Bank-Analyst Elmar Kraus. Verantwortlich für den Optimismus ist vor allem das Geschäft mit Flüssigkristallen, das im Vorjahr noch unter der schwachen Nachfrage während der Wirtschaftskrise gelitten hatte. Es läuft seit Jahresanfang blendend, weshalb Merck schon nach dem ersten Quartal seine Prognose für die Sparte angehoben hatte
Im zweiten Quartal stiegen die Umsätze in dem Geschäftsbereich um 50 Prozent auf einen Rekordwert von 284 Millionen Euro. Die Umsatzrendite stieg auf 53,2 Prozent. Damit reiht sich Merck in die Liste von Chemiekonzernen ein, die von der weltweiten Konjunkturerholung immer stärker profitieren. Nach Dupont und Akzo Nobel
gab am Donnerstag auch Branchenprimus BASF
einen kräftigen Ergebnisanstieg bekannt. Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant
berichtete ebenfalls von florierenden Geschäften.
Neben dem Aufwärtstrend in der Chemie profitierte Merck im zweiten Quartal auch von einer besseren Entwicklung in der zuletzt schwächelnden Pharmasparte. Hier stiegen die Umsätze um knapp 10 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro. Mit einem Plus von 23 Prozent auf 210 Millionen Euro legten die Erlöse mit dem Krebsmedikament Erbitux besonders stark zu.
Auf Konzernebene kletterte der Umsatz von April bis Juni um 16 Prozent auf den Rekordwert von 2,2 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn stieg um 77 Prozent auf 326,2 Millionen Euro, das Ergebnis nach Steuern um 70 Prozent auf 187 Millionen. Damit übertraf Merck deutlich die Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit einem Umsatz von 2,07 Milliarden Euro und einem Betriebsgewinn von 276 Millionen gerechnet hatten.
ak/reuters
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