Von Lutz Reiche
So manche Dax-Aktie ist im Vorfeld der Bilanzzahlen kräftig gestiegen. Wenn dann die Unternehmen die Erwartungen der Märkte übertrumpften, strichen Anleger schon mal Kursgewinne ein. Das ist jedoch kein Grund für Konjunkturangst und Börsen-Blues. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft und unter den Verbrauchern ist glänzend.
Auch andere Branchen überraschen in der laufenden Berichtssaison bislang positiv und geben Anlass zur Hoffnung, dass der Aufschwung auf breiten Füßen steht. Infineon
vermeldete am Mittwoch einen unerwartet großen
Gewinnsprung von 60 Prozent und hob die Prognose zum dritten Mal im laufenden Geschäftsjahr an. Am Vortag hatte bereits der Softwarehersteller SAP
mit seinen Geschäftsdaten die
Erwartungen der Analysten übertroffen und seine Umsatzerwartungen für das Gesamtjahr angehoben.
Zweifelsohne haben die stark exportorientierten deutschen Unternehmen überproportional von der Erholung der Weltwirtschaft und der starken Nachfrage vor allem aus Asien profitiert. "Deutschland ist ein potenzieller Outperformer, weil die Exporte unter Volldampf stehen", sagt UBS-Deutschlandvolkswirt Martin Lück.
"Double Dip" nur ein Gespenst?
Bleibt die bange Frage, hält die Dynamik an? Ist doch ein Gutteil der wirtschaftlichen Erholung weltweit auch den enormen staatlichen Konjunkturprogrammen geschuldet, die jetzt allmählich auslaufen. Sollten die Industrieländer zudem ihren Sparkurs verschärfen und ihre Budgets kürzen, könnten vor allem die USA und Europa in eine Deflation abrutschen, aus der nur schwer zu entkommen ist, wie das Beispiel Japan zeigt, fürchten die Pessimisten. Sie wähnen bereits das Gespenst vom "Double Dip", ein erneutes Abrutschen der westlichen Ökonomien in ein Konjunkturtief - mit entsprechenden Folgen für die Unternehmen und den Arbeitsmarkt.
Vermutlich liegt die Wahrheit - wie so oft - in der Mitte. Das heißt, die Weltwirtschaft wird im zweiten Halbjahr weiter wachsen, aber langsamer als in den Vorquartalen, sagen viele Konjunkturexperten voraus. So mancher Börsenexperte favorisiert deshalb einen "Sägemarkt", ein stetes Hin und Her der Aktienkurse.
mit Nachrichtenagenturen
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