Von Lutz Reiche
So manche Dax-Aktie ist im Vorfeld der Bilanzzahlen kräftig gestiegen. Wenn dann die Unternehmen die Erwartungen der Märkte übertrumpften, strichen Anleger schon mal Kursgewinne ein. Das ist jedoch kein Grund für Konjunkturangst und Börsen-Blues. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft und unter den Verbrauchern ist glänzend.
Hamburg - So lange liegt es nicht zurück, dass Hiobsbotschaften aus existentiell hoch verschuldeten Staaten wie Griechenland oder Spanien die Märkte verschreckten. Die Angst, dass Deutschland trotz erstklassiger Bonitätsnoten mit in den Strudel gezogen und der Konjunkturaufschwung abwürgt werden könnte, ließ auch hier zu Lande die Kurse immer wieder einbrechen. Die Achterbahnfahrt des Dax
in den vergangenen drei Monaten gibt dafür ein gutes Beispiel.
Doch zuletzt scheint die Krisenstimmung verflogen. Die an diesem Donnerstag vorgelegten Quartalsergebnisse der Dax-Konzerne sprechen eine deutliche Sprache. Siemens-Chef Peter Löscher spricht vom "
besten Ergebnis aller Zeiten". BASF
hat seinen Gewinn
mehr als verdreifacht. Volkswagen
hat seinen
Betriebsgewinn verdoppelt.
MAN
spricht von einer
"Erfolgsgeschichte". Merck
hebt seine Prognose nach einem Plus von 70 Prozent
abermals an.
Nur wenige Ausreißer trüben das Bild. Der Gewinn von Bayer
stagniert wegen des
enttäuschenden Pharmageschäfts. Die Lufthansa
fliegt
weiter durch die Verlustzone.
Drohende Staatspleiten sind in den Hintergrund gerückt und deutsche Banken nach dem Stresstest offenbar über den Berg. Manche Beobachter meinen mittlerweile, Deutschland werde als Gewinner aus der Krise hervorgehen und die deutsche Wirtschaft ihre Führungsposition in Europa sogar ausbauen können. Nicht nur, weil deutsche Exporte im Zuge der weltweiten Erholung überproportional stark anziehen, sondern auch, weil Investoren ihr Kapital aus Furcht vor der Schwäche der Nachbarstaaten verstärkt nach Deutschland verfrachten. Deutsche Unternehmen könnten damit für Zukunftsinvestitionen viel günstiger an Kapital kommen als die europäischen Wettbewerber, argumentieren Anleiheexperten.
Ob Konjunktur, Unternehmen oder Arbeitsmarkt - eine ganze Reihe positiver Nachrichten haben zuletzt die optimistische Grundhaltung eindrucksvoll untermauert. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft - ausgedrückt im Ifo-Geschäftsklimaindex - ist im Juli so stark gestiegen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen hellten sich kräftig auf.
Unternehmen stellen ein, Brüderle glaubt an Jobwunder
Das bleibt nicht ohne Folgen: Die Unternehmen stellen angesichts des Aufschwungs wieder ein. Ihre Nachfrage nach Arbeitskräften hat das Vorkrisen-Niveau erreicht, berichtete am Mittwoch die Bundesagentur für Arbeit, die heute die Juli-Zahlen für den Arbeitsmarkt bekannt geben wird. Experten erwarten einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle prognostiziert gar ein kleines Jobwunder: "Ich glaube, dass wir nachhaltig die Arbeitslosigkeit abbauen können und dieses Jahr noch unter drei Millionen kommen."
Die Deutschland AG wird einen Teil dazu beitragen. Nach einer "Handelsblatt"-Umfrage haben die 30 Dax-Konzerne aktuell wieder 10.000 offene Stellen in Deutschland zu besetzen. Das sind doppelt so viele wie noch vor drei Monaten, berichtet die Zeitung.
Der Optimismus erfasst auch die Menschen selbst im Land: Ihre Konsumneigung ist zuletzt deutlich gestiegen. Die Verbraucher erwarten bei einer verbesserten Einkommenssituation zudem nicht nur eine fortgesetzte Konjunkturerholung, sondern vielmehr, dass ihre Dynamik noch zunehmen wird.
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