Von Frank Burger
Die Zahl der Systemanbieter von Hochgeschwindigkeitszügen ist international überschaubar, was die Lage des wichtigsten deutschen Vertreters komfortabler macht. Siemens Mobility hat seinen Umsatz 2009 um 390 Millionen Euro auf mehr als 6,4 Milliarden Euro gesteigert, im Fahrzeugbau ist das Unternehmen, das weltweit rund 25.000 Mitarbeiter beschäftigt, aber nur die Nummer fünf hinter Bombardier, Alstom und den beiden chinesischen Herstellern CSR
und CNR. Dennoch sieht eine Firmensprecherin das Unternehmen auf einem sehr guten Weg. "Von den acht großen Ausschreibungen im Hochgeschwindigkeitsbereich, die es in den vergangenen sechs Jahren gab, haben wir fünf gewonnen. Das zeigt, dass unsere Technik sich durchsetzen konnte."
Prestigeobjekt und Erfolgsmodell ist der "Velaro", der in Russland, Spanien und China mit teilweise mehr als 400 km/h unterwegs ist; im Herbst 2011 soll in Deutschland der erste von insgesamt 15 Velaro den Betrieb aufnehmen, die die Deutsche Bahn in Auftrag gegeben hat.
Der Velaro ist eine Weiterentwicklung des ICE 3, im Unterschied zu seinem Vorgänger aber ein hundertprozentiges Kind der Siemens Mobility. Konzipiert ist er als Plattform, das heißt, er kann an die jeweiligen Bedingungen in verschiedenen Ländern - wie Spurbreite, Sicherheitsanforderungen oder Tunnelquerschnitte - angepasst werden.
Der Velaro wäre auch ein Kandidat für das von der US-Regierung geplante Hochgeschwindigkeitsnetz, für das Präsident Barack Obama acht Milliarden Dollar bereitgestellt hat, weitere fünf Milliarden sollen in den kommenden fünf Jahren hinzukommen - die größte Eisenbahninvestition in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Klar, dass Siemens Mobility dabei zum Zuge kommen will, sobald konkrete Ausschreibungen vorliegen. Das Unternehmen hat schon zugesichert, seine Aktivitäten in den USA im Falle eines Zuschlags zu verstärken, diese Garantie ist Voraussetzung für eine Teilnahme am Bieterverfahren.
Wie die Aktien von Siemens Mobility im Vergleich zu den Mitbewerbern stehen, lässt sich nur schwer sagen. Aber immerhin äußert sich die Federal Railroad Association (FRA) zu der Frage, ob die Schwierigkeiten des deutschen Paradezugs Siemens Mobility beim Vergabeverfahren zum Nachteil gereichen könnten: Man verfolge nicht aktiv, was sich im ausländischen Tagesgeschäft abspiele.
Siemens mag das egal sein, aber bei der Deutschen Bahn wären sie derzeit wohl ganz glücklich, mit so viel Nonchalance betrachtet zu werden.
Deutsche Bahn: Das Rennen zwischen ICE, TGV und Co
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