Scholz: Das ist schwierig zu sagen. Sicher ist, dass Siemens dann mit Strafverfolgung auch aus Großbritannien hätte rechnen müssen, denn der Konzern hat dort Niederlassungen - mit allen Konsequenzen.
mm: Was machen denn Firmen, die auf einem Markt Fuß fassen wollen, wo Bakschischzahlungen üblich sind? Gerade dort, wo die öffentliche Verwaltung und meist auch die Demokratie schwach ausgeprägt ist, kommt man anders doch kaum zum Zuge.
Scholz: Da stecken internationale Firmen oft in einem Dilemma, weil sich die Nachfrage nach Bestechung ja nicht durch solch eine Gesetzgebung ändert. Andererseits gibt es viele Länder, die zwar einen schlechten Ruf haben, sich aber erfolgreich um Besserung bemühen, zum Beispiel Südkorea, Südafrika, Botswana oder Hong Kong. Das zeigt, dass sich durchaus etwas zum Besseren wenden kann.
mm: Aus dem Dilemma gibt es keinen Ausweg?
Scholz: Nein. Unternehmen sind gut beraten, das Spiel nicht mitzuspielen. Es hilft eine Firmenkultur, in der Mitarbeiter nicht dafür bestraft werden, wenn ein Geschäft platzt, weil sie auf eine Forderung nach Bestechungsgeldern nicht eingegangen sind. Ein wirksames Compliance-Programm muss von der obersten Führungsetage mitgetragen werden. Trainings, die Mitarbeiter auf mögliche Bestechungsgeldforderungen vorbereiten sowie regelmäßige Kontrollen gehören ebenfalls dazu.
mm: Was droht den Unternehmen, die gegen den Bribery Act verstoßen?
Scholz: Das hängt vom Einzelfall ab. Aber das Strafmaß ist unbegrenzt. Es kann also sehr teuer werden.
Gegen Zahlung einer größeren Summe: Prominente Fälle von Unternehmenskorruption
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