Von Arvid Kaiser
Offiziell haben die meisten Banken ihren Eigenhandel in der Krise bereits aus eigenem Antrieb zurückgefahren. Nur Goldman und Morgan Stanley weisen nennenswerte Erträge aus, die nach dem neuen Gesetz wohl reduziert werden müssten. Im Fall Goldman sind es 10 Prozent des gesamten Ertrags, doch auch das dürfte wegen der Definition von Eigenhandel weit untertrieben sein.
Die beiden Häuser sind die einzigen der "Big Five", der reinen Investmentbanken, die die Finanzkrise überlebt haben. Anders als die Großbanken können sie schlechte Handelsergebnisse nicht mit dem soliden Privatkundengeschäft ausgleichen. Im vergangenen Jahr und zu Beginn dieses Jahres fuhren sie gut damit: Der Börsenaufschwung, das florierende Anleihegeschäft und mit Staatshilfe abgesicherte Wetten ließen im Investmentbanking Milliardengewinne sprudeln.
Doch nun könnte der Boom schon wieder vorbei sein. Angesichts von Schuldenkrise, Konjunktursorgen und Börsenschwäche lief das zweite Quartal schlecht für die Wall Street. Kunden hielten sich mit Wertpapiergeschäften zurück, Mandate für Beratungen, Börsengänge, Fusionen oder Übernahmen blieben aus. Goldman Sachs selbst schätzt, dass die Erträge im reinen Kapitalmarktgeschäft branchenweit um 40 Prozent zurückgingen.
Schlechtes Omen für die Quartalsberichte der Investmentbanken
Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Zwischenberichte der Großbanken belegen das. J. P. Morgan Chase
nahm 28 Prozent weniger im Handel mit Anleihen, Rohstoffen und Währungen ein. Die Investmentsparte der Bank of America
verbuchte 40 Prozent weniger. Der Wertpapierhandel der Citigroup brachte 26 Prozent weniger ein.
Ihre Ergebnisse steigern konnten all diese Großbanken nur, weil sie ihre Kreditvorsorge im Privatkundengeschäft deutlich zurückfuhren oder im Fall der Citigroup sogar von den Reserven zehrten. Dieser Faktor fehlt Goldman und Morgan Stanley, die ihre Zahlen an diesem Dienstag offenbaren. Für Goldman gingen die Einnahmen um 36 Prozent, der Gewinn um 83 Prozent nach unten.
Das Problem weist über das abgelaufene Quartal hinaus. Wenn die Kunden ihr Geld nicht mehr riskieren, bleibt den Investmentbanken nur der Handel auf eigene Rechnung, um die von den Aktionären geforderten Ergebnisse abzuliefern. Wohl deshalb denkt Goldman-Sachs-COO Gary Cohn laut darüber nach, die erst vor zwei Jahren erworbene Banklizenz wieder abzugeben, falls die "Volcker-Regel" zu scharf ausgelegt wird. Dann würde das Gesetz für Goldman nicht mehr gelten.
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