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09.07.2010
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Eine Stunde mit Hillary Clinton

Das Potenzial von Frauen nutzen

Ein Gastbeitrag Frank Arnold

Hillary Clinton: Mit Leistung, starkem Willen, Wissensdurst und Disziplin an die Spitze
DPA

Hillary Clinton: Mit Leistung, starkem Willen, Wissensdurst und Disziplin an die Spitze

2. Teil: Den Realitäten des Marktes und der Kunden entsprechen

Dass bei der konkreten Quote von weiblichen Managern je nach Untersuchung Schwankungen auftreten, die durch die Unternehmensgröße oder durch die unterschiedliche Definition von hoher Führungsposition bedingt sind, ändert nichts am Gesamtbild, dass es zu wenige sind.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Eine von der Politik verordnete Zwangsquote dürfte eher der falsche Weg sein. Personalentscheidungen müssen im Interesse des Unternehmens getroffen werden und nicht, um am grünen Tisch entworfene Quoten zu erfüllen. Vielmehr liegt es im höchsten Interesse des Unternehmens selbst, dass die verantwortlichen Führungskräfte der Unternehmensführung eine Struktur geben, die den Realitäten des Marktes und der Kunden entsprechen. Um es nochmals zu betonen: Die Verantwortung für die entsprechende Gestaltung der Führungsstruktur liegt bei der Unternehmensspitze selbst und bei den zu­ständigen Aufsichtsorganen. Man kann kein Unternehmen auf sinnvolle und langfristig tragfähige Weise führen, indem man es im Interesse von Interessengruppen führt, sondern man muss das Unternehmen im Interesse des Unternehmens selbst führen.

Vielleicht macht auch Sie es stutzig, dass gerade einige der besten Unternehmen, darunter eine Vielzahl der weniger bekannten Weltmarktführer, einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Frauen in den Führungsetagen aufweisen. Glauben Sie, das sei Zufall? Vielleicht. Gute Leistungen sind nicht an Rasse, Geschlecht, Religion, Nationalität oder Familienstand gebunden. Selbst wenn man diese Ergebnisse im Fall der unbekannten Weltmarktführer (Hidden Champions, wie sie Hermann Simon nennt) nicht für überzeugend oder gar für zufällig halten sollte, so ist der Unterschied in der Geschlechterverteilung doch immerhin auffällig.

Rund die Hälfte der Beschäftigten in Europa ist weiblich, darunter viele hoch qualifizierte Wissensarbeiterinnen, die mit ihrem Wissen mobil sind. Sie werden zu den Organisationen gehen, die Frauen eine gleichberechtigte Chance geben, wo sich dann die besten Köpfe eines Landes sammeln werden. Man braucht nicht viel Managementverständnis, um zu erkennen, dass dies in einer Wissensgesellschaft der zentrale Wettbewerbsvorteil ist.

Der entscheidende Wettbewerbsvorteil

Falls Ihnen diese Prognose der Anziehungskraft von Organisationen für kluge Frauen zu spekulativ erscheint, möchte ich Ihren Blick einmal auf das Internet lenken. Die Nutzung des weltweiten Netzes hat sich in den letzten Jahren tief greifend verändert. Dort organisieren sich alle nur denkbaren Interessengruppen, so auch an Leistung interessierte Frauen, und das schon seit geraumer Zeit. Die guten Leute werden dorthin gehen, wo sie Chancen haben. Über das Netz lässt sich diese Information schnell einholen und weitergeben.

Die Organisationen, die dafür Sorge tragen, dass kluge, leistungsorientierte Frauen bei ihnen arbeiten wollen, werden im Wettbewerb um gute Köpfe einen großen Vorsprung haben. Das geschieht ganz von selbst – eben weil die besten Leute sich selbst organisieren. Mit dem Wissen und den Fähigkeiten der besten Frauen an Bord haben diese Organisationen dann auch den entscheidenden Wettbewerbsvorteil auf ihrer Seite. Es kann nicht deutlich genug herausgehoben werden, welche Chance für eine Gesellschaft darin liegt, das zum Großteil brachliegende Potenzial der Frauen zu nutzen. Jeder Schritt ist dabei wertvoll, grundlegende Veränderungen sind nie leicht, sie benötigen Zeit und Standfestigkeit vonseiten der Entscheider.

Es spricht sehr für Hillary Clinton, dass sie das Amt in der Regierung von Barack Obama angenommen hat. Ihr Vorbild inspiriert Millionen von Frauen in aller Welt, genau wie auch das Vorbild anderer kompetenter Regierungs- und Unternehmensleiterinnen Frauen inspiriert. In diesen höchsten Ämtern in Konzernen und Regierungen gehören sie momentan noch zu den Pionieren, aber sie ändern die Ansichten der Menschen darüber, was möglich ist.

Als Reinhold Messner im Jahr 1978 ohne zusätzlichen Sauerstoff den Mount Everest bestieg, war das eine Weltsensation, heute zählt dies für die Spitzenbergsteiger der Welt zur Normalität. Die Pionierleistungen von Frauen wie Hillary Clinton und anderen Spitzenkräften der Politik und Wirtschaft in den höchsten Ämtern sind und bleiben von unschätzbar großer und gesellschaftlich prägender Bedeutung.

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Zum Autor

Frank Arnold ist Berater, Key-Speaker zu Managementthemen und Bestsellerautor des Buches "Management - Von den Besten lernen". Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler leitet die Züricher Unternehmensberatung Arnold Management GmbH, spezialisiert auf das "Aktivieren der Intelligenz in den Unternehmen selbst".

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